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Bundesstadt Bonn

Beueler Weiberfastnacht

Nicht etwa in Köln oder Düsseldorf, sondern im Bonner Stadtteil Beuel steht die Wiege der Weiberfastnacht. Hier entstand 1824 das erste Beueler Damenkomitee - aus einer Frauenbewegung: Die Beueler Wäscherinnen wehrten sich gegen das Patriarchat, die Dominanz der Männer und die damit verbundene Ausbeutung der Frauen.

Veranstaltungen und Versammlungen, die nicht unter besondere Regelungen der Coronaschutzverordnung fallen, sind bis zum 31. Januar 2021 untersagt. Somit können derzeit keine Karnevalspartys, -sitzungen oder Umzüge stattfinden. Auch wenn selbstverständlich das konkrete Infektionsgeschehen weiter beobachtet werden muss, lassen die bisherigen Erfahrungswerte die Prognose zu, dass sich diese Lage bis zum Höhepunkt der Session Mitte Februar 2021 nicht ändern wird.

Was heute in karnevalistisch-spaßiger Art mit Rathaussturm, Umzug und Sitzungen gefeiert wird, hat einen ernsten Hintergrund. Die Beueler Wäscherinnen und Bleicherinnen wehrten sich gegen die unzumutbaren körperlichen und seelischen Belastungen, die ihnen aufgebürdet wurden.

Sie trafen sich zum Kaffeeklatsch, bei dem ein festes Reglement galt: Die Frauen hatten die Pflicht, über die groben Verstöße ihrer Männer gegen den Hausfrieden und die eheliche Treue oder über deren Alkoholexzesse zu berichten. Die Übeltäter waren selbstverständlich ausgeschlossen. Ihre Probleme wollten die Damen unter sich besprechen, denn unbeobachtet konnten sie sich ihren ganzen Frust von der Seele reden.

Der Brauch der Wäscherinnen überstand die unterschiedlichen politischen Epochen von der preußischen Besatzung über das Bismarck-Reich, die Monarchie, die erste Demokratie und die Nazi-Zeit bis hin zur heutigen Demokratie, die untrennbar mit dem Namen Bonn verbunden ist.

Seit 1958 benennen die Beueler Weiber alljährlich eine Repräsentantin aus ihren eigenen Reihen, die Wäscherprinzessin. Sie zieht, unterstützt von der Obermöhn und resoluten, kampferprobten Damen, alljährlich an Weiberfastnacht zum Sturm auf das Beueler Rathaus, das von dem Bonner Oberbürgermeister, dem Bezirksbürgermeister und ihren Vertretern verteidigt wird. Doch es ist kein Geheimnis, dass die Männer bislang jedes Mal gescheitert sind... So stehen am Ende Wäscherprinzessin, Obermöhn und die jecken Wiever mit den erfolglosen Verteidigern versöhnlich auf dem Rathausbalkon, um gemeinsam auf die Niederlage der Männer anzustoßen - und das närrische Treiben in der gesamten Stadt ist eröffnet!

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