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Bundesstadt Bonn

Forum für Exilkultur im Windeckbunker

Die Verwaltung möchte aus dem Bunker, einem historischen Zeugnis und Mahnmal des Nationalsozialismus, einen Ort der Demokratie machen. Nach Jahren der Suche für eine geeignete Nutzung des Bunkers könnte nun mitten in der Stadt ein Ort entstehen, in dem die Kunst des Exils sichtbar wird, vergangene und gegenwärtige.

Der Rat der Stadt Bonn hat in seiner Sitzung vom Donnerstag, 10. Februar 2022 die Projektidee einstimmig begrüßt und die Verwaltung beauftragt, mit einer Machbarkeitsstudie die erforderlichen baulichen Maßnahmen für die öffentliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Hochbunkers zu ermitteln und eine Einschätzung zu den damit verbundenen Kosten zu erhalten.

Ziel des Forums und Bedeutung für Bonn

„Die Nutzung des Windeckbunkers mitten im Zentrum wäre als Forum für Exilkultur eine enorme Bereicherung und ein ganz besonderer Ort für Erinnerungskultur in Bonn. Dort kann die wichtige Auseinandersetzung mit Emigration und Exil in unserer Gegenwart vorangetrieben und bewusst gegenübergestellt werden“, äußert sich Oberbürgermeisterin Katja Dörner zu dem Projekt.

Wechselnde Ausstellungen von Künstler*innen, die heute in Deutschland im Exil leben, schaffen einen Perspektivenwechsel, mit dem die Rele­vanz der Vergangenheit für die Gegenwart sichtbar wird. Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung sollen aktiv in die Arbeit des Hauses eingebunden werden und die Möglichkeit bekommen, sich künstlerisch und kreativ zu entfalten und zu präsentieren.

„Mit dem Forum Exil­kultur Bonn würde die Stadt als ‚Geburtsort‘ des Grundgesetzes und Sitz der UNO-Flüchtlings­hilfe ein starkes Zeichen für Demokratie und Menschenrechte setzen sowie eine bundesweit einmalige Form des Erinnerns schaffen, die auch stark in die Zukunft wirkt“, so Sport- und Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger.

Die Sammlung „Memoria“

Ausgangspunkt und Basis des Forums Exilkultur Bonn ist die über viele Jahre hinweg zusammengetragene, einzigartige Sammlung bildender Kunst von Exilant*innen des Kölner Sammlers und Verlegers Thomas B. Schumann. Seine Intention: „Durch Sammeln retten vor dem endgültigen Vergessen“. 

Entstanden ist ein Erinnerungswerk von beeindruckendem Ausmaß: Die Sammlung umfasst rund 1.000 Kunstwerke von etwa 200 Exilkünstler*innen sowie mehr als 5.000 Bücher von Exilautor*innen, die in der Zeit der NS-Herrschaft 1933-1945 Deutschland verlassen mussten. Die Sammlung „Memoria“ ist die Summe von Tausenden von Lebensgeschichten, ein kollektives kulturelles Tagebuch, fokussiert auf die Jahre 1933-1945. 

Während die Exilliteratur weitgehend erforscht ist und die Beschäftigung mit z.B. Musik, Komposition und Fotografie in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist die Bildende Kunst aus dem Exil bisher weder gezeigt, noch wissenschaftlich-historisch erforscht und diskutiert worden. Somit hat die Sammlung „Memoria“ – ein Kompendium von Kunstwerken unterschiedlichster stilistischer Positionen: Spätimpressionismus, Bauhaus-Avantgarde, Abstraktion – in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal. 

Die Sammlung „Memoria“ soll dem Forum Exilkultur dauerhaft zur Verfügung stehen. Hierzu möchte Thomas B. Schumann der Stadt Bonn seine bedeutende Sammlung dauerhaft überlassen, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Teile der Sammlung waren 2019 in der Ausstellung „Eingedenken: Bildende Künstler im Exil 1933-1945“ im Dialograum Kreuzung an St. Helena im Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 in Bonn zu sehen.

Initiative Exilkultur Bonn

Vor fünf Jahren hat sich in Bonn die „Initiative Exilkultur“ gegründet, die bereits verschiedene Projekte und Ausstellungen zum Thema Exilkunst und Exilkultur realisiert hat. Bis zum Sommer 2022 möchte die Initiative einen Verein gründen, der sich maßgeblich in den Betrieb des Forums einbringen möchte. Der Verein will Teile des Rahmenprogramms konzipieren, organisieren und durchführen. 

Starke Partner für ein wichtiges Projekt

Das Forum Exilkultur Bonn versteht sich als Ort der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, der den Diskurs anregt und sich aktiv mit dem Thema Menschenrechte und Menschenrechtsbildung auseinandersetzt. Im Zuge der Konzeptentwicklung sollen in Kooperation mit den städtischen Kulturinstituten, mit Akteuren aus der Freien Szene und vielen weiteren Partner*innen in Bonn Angebote der Vermittlung und der kulturellen Bildung herausgearbeitet werden. Sie schaffen die Grundlage für eine tiefe Vernetzung in die Stadtgesellschaft, aber auch zu nationalen bzw. internationalen Partner*innen, wie zum Beispiel der Casa Stefan Zweig in Petrópolis, Brasilien.

Als zentrale Unterstützerin konnte die  UNO-Flüchtlingshilfe (Öffnet in einem neuen Tab) gewonnen werden, nationale Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Sie will im „Forum Exilkultur“ auf die aktuelle Situation von weltweit über 84 Millionen Menschen auf der Flucht aufmerksam machen. Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, sieht Europa in der Pflicht, an seine eigene Fluchtgeschichte zu erinnern. „Das Forum hat die Chance eine Brücke zu schlagen, von der Zeit des Nationalsozialismus bis heute. Denn wer keine Perspektive mehr sieht oder sich und die Familie in Sicherheit bringen muss, ist geflohen und wird fliehen. Auch, wenn die Flucht noch so gefährlich war oder ist.“ 

Auch die Stiftung  Cosman Keller Musik & Art Trust (Öffnet in einem neuen Tab) wird sich an dem Projekt beteiligen. Sie verwaltet den Nachlass der Künstlerin Milein Cosman und des Musikers Hans Keller. Milein Cosman, die 1939 nach England ins Exil ging, war eine der führenden Porträtistinnen Englands. 1949 zeichnete sie im Auftrag des Magazins „Heute“ das erste Kabinett von Adenauer in Bonn. Ihr ist ein eigener Gedenkraum zugedacht.

Windeckbunker

Ziel ist es, dass der ehemalige Luftschutzbunker als Baudenkmal und Mahnmal der NS-Zeit wahrnehmbar bleibt. Dafür sollen etwa die Raumstrukturen möglichst beibehalten und die Ausstellungsflächen puristisch gestaltet werden. 

Die Baumaßnahmen beschränken sich daher voraussichtlich auf die Herstellung der Barrierefreiheit, den Einbau von Sanitäranlagen, die Erneuerung der erforderlichen Gebäudetechnik sowie erforderliche Brandschutzmaßnahmen.

Ausblick

Im nächsten Schritt wird die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie beauftragen, um die erforderlichen baulichen Maßnahmen für die geplante öffentliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Hochbunkers zu ermitteln und eine Einschätzung zu den damit verbundenen Kosten zu erhalten.

Die Ergebnisse der Prüfaufträge sollen bis zum Herbst 2022 vorliegen und die Grundlage für weitere Beschlüsse schaffen.

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  • Stadtarchiv und stadthistorische Biblitohek/Foto: Alex Keller
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