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Bundesstadt Bonn

Renate Hellwig

(*1940) - Bonner Frauen(orte):
Ehemaliger Bundestag: Platz der Vereinten Nationen; Abgeordneten-Appartements: Heussallee; Ehemalige Langesvertretung Baden-Würtemberg: Schlegelstraße 2 bis 4

Renate Hellwig

Ohne Frauen ist die Demokratie nur halb.

Renate Hellwig

Sie schätzen Rita Süßmuth? Aber kennen Renate Hellwig nicht? Dann lesen Sie weiter, um mehr über diese Vorkämpferin für Gleichberechtigung zu erfahren, die in der CDU offensiv gekämpft, wichtige Debatten angezettelt und manches erreicht hat. 

Da sie selbstbewusst und kämpferisch auftritt und ihre Meinung freimütig äußert, wird ihr gelegentlich gesagt: „So wirst du nie was!“ Ihre Antwort darauf: „Ich bin doch schon was!“ 

Renate Hellwig ist von 1972 bis 1975 Mitglied des baden-württembergischen Landtags und wird 1975 in den Bundesvorstand der CDU-Frauenvereinigung gewählt. Von 1975 bis 1980 ist sie Staatssekretärin im Sozialministerium von Rheinland-Pfalz. Von 1980 bis 1998 ist sie direkt gewählte Bundestagsabgeordnete in Bonn und gehört seit 1985 dem Bundesvorstand der CDU an, bis sie 1998 mit dem Verlust ihres Wahlkreises aus der Politik aussteigt. Obwohl sie es verdient hätte, Ministerin zu werden und auch den nötigen Ehrgeiz besitzt, geht es ihr aber nicht um ein Vorwärtskommen um jeden Preis. 

Politik ist für Renate Hellwig eine Leidenschaft, die sie selbst als Sucht wie das Rauchen bezeichnet. Sie legt eine beachtliche Karriere hin trotz der massiven Vorurteile, denen die wenigen Frauen in der Politik zu dieser Zeit ausgesetzt sind. Als wirkliche Interessenvertreterin für Frauen stößt sie aber auch auf enormen Widerstand. Ihr Leben als unbequeme und streitbare Politikerin ist nicht einfach. Sie muss einige schmerzhafte Niederlagen einstecken. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ihr Lesbischsein lange verheimlichen und damit einen wichtigen Teil ihrer Person verleugnen muss.

Fazit

Renate Hellwig zeichnet sich auch besonders dadurch aus, dass sie selbst als Bundestagsabgeordnete nicht den Kontakt zur Basis verliert. Zu ihrer intensiven Betreuung ihres Wahlkreises bemerkt sie: „Mir ist dabei besonders wichtig, möglichst viel Praktisches, Konkretes zu erfahren, vor allem, was die Leute so über ‚uns‘, die christlich-liberale Koalition in Bonn, reden, was sie für Erwartungen an uns haben und was ihre Alltagssorgen und Freuden sind“ (Hellwig 1984, S. 335). Sie kann zuhören, geht ohne Scheuklappen an die Lösung von Problemen und greift nicht auf vorgefertigte realitätsferne Konzepte zurück. 

Als Franz-Josef Strauß 1980 vom Spiegel gefragt wird, ob er sich auch eine Frau als Bundeskanzler vorstellen könne, nennt er zwei Frauen, eine davon Renate Hellwig. Bundeskanzlerin ist sie nicht geworden und auch nicht Ministerin oder Europa-Kommissarin, aber „ich bereue nichts“, sagt sie rückblickend. 

Renate Hellwig hat die Emanzipation der Frauen einen großen Schritt vorangebracht, aber für sie ist das Ziel noch nicht erreicht. „Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch weiterhin für alle politisch engagierten Frauen eine unverzichtbare Aufgabe. Wir erleben mitten in Deutschland, im Land des Artikels 3 des GG, dass Frauen in den muslimischen Minderheiten unterdrückt werden, dass Frauen und Kinder misshandelt werden und dass Frauen nicht annähernd gleichberechtigt in Führungspositionen vertreten sind“ (Hellwig 2013, S. 246).

Text: Ulrike Klens