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Bundesstadt Bonn

In Bonn sind fast 1.300 Geflüchtete aus der Ukraine registriert

Die Lage der aus der Ukraine nach Bonn geflüchteten Menschen ist weiterhin sehr dynamisch. Knapp 900 Menschen sind durch die Stadt vermittelt untergebracht. Melderechtlich registriert sind knapp 1.300. Die Stadtverwaltung bereitet sich auf die Aufnahme von bis zu 4.500 Menschen vor.

„Es ist weiterhin nicht absehbar, wie viele Menschen vor dem Krieg in der Ukraine nach Bonn flüchten werden. Aufgrund der Annahmen der Landesregierung bereiten wir uns in Bonn auf bis zu 4.500 Geflüchtete vor“, erklärte Oberbürgermeisterin Katja Dörner im Anschluss an den Jour Fixe Geflüchtete der Verwaltung. „Das ist eine immense Herausforderung, der sich alle mit großem Engagement stellen. Es ist überfällig, dass Bund und Land ihre Zusagen in die Tat umsetzen und Klarheit über die Verteilung der Geflüchteten und die Übernahmen unserer Kosten schaffen“, so Dörner.

Die Oberbürgermeisterin betonte, dass die Verwaltung ihr Möglichstes leiste, sie aber um Verständnis dafür bitte, dass angesichts der sehr dynamischen Situation und der vielen kurzfristig anfallenden zusätzlichen Aufgaben in der Stadtverwaltung nicht alle berechtigten Anliegen unmittelbar aufgegriffen und umgesetzt werden können.

Drei neue Immobilien

Um die geflüchteten Menschen betreuen und unterbringen zu können, werden derzeit zahlreiche Objekte durch die Verwaltung geprüft. Innerhalb kurzer Zeit wurde der bereits länger geplante Ankauf der König-Fahd-Akademie abgewickelt. Mit ihr und der ehemaligen Landwirtschaftskammer in Roleber und einem der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellten Bürogebäude stehen nun drei größere Immobilien zur Verfügung. Diese drei Gebäude werden aber vermutlich nicht ausreichen, um den prognostizierten Bedarf zu decken. Die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten geht weiter.

Neue Erstankunftsstelle in Buschdorf

Am morgigen Freitag (25. März) wird die künftige Erstankunftsstelle in Buschdorf eröffnet. Das Bürogebäude wurde der Stadt für ein halbes Jahr kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die provisorischen Container am Windeckbunker sollen voraussichtlich in der kommenden Woche bis auf einen Lotsenpunkt für Ankommende aufgelöst werden. Zunächst werden die ankommenden Menschen in der Erstankunftsstelle vor allem versorgt. So gibt es eine Ausgabe von warmen und kalten Getränken, Suppen, Snacks, Babynahrung, Windeln, Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen, Datenerfassung, Corona-Schnelltests, Zuspruch und Erstinformationen durch DRK-Mitarbeitende, Sozialarbeiter*innen des Amtes für Soziales und Wohnen und ggf. mittels Dolmetscher*innen aus dem Ehrenamt. Im Erdgeschoss werden zunächst rund 40 bis 50 Betten für die Neuankömmlinge vorgehalten, die bis zur Vermittlung in andere Unterkünfte zur Verfügung stehen.

Vorbereitung weiterer Gebäude

Die Stadtverwaltung hat am 21. März die Schlüssel für die König-Fahd-Akademie an der Mallwitzstraße 2 in Lannesdorf erhalten. Das Objekt wird derzeit hergerichtet, sodass es voraussichtlich in drei bis vier Wochen zur Unterbringung von ca. 120 Geflüchteten genutzt werden kann.

Auch in der alten Landwirtschaftskammer befindet sich die Stadtverwaltung in den Vorbereitungen, um darin zeitnah Geflüchtete unterbringen zu können.

Rund 900 Menschen untergebracht

Bislang sind (Stand 24. März, 08:00 Uhr) 896 Geflüchtete durch die Verwaltung in Bonn untergebracht, davon 238 in städtischen Unterkünften, weitere 475 in Hotels, 183 konnten erfolgreich in private Unterkünfte vermittelt werden. Eine nicht bekannte Zahl ist privat bei Freunden oder Verwandten untergekommen.

Ukrainische Staatsbürger*innen können sich 90 Tage lang in der EU aufhalten, danach müssen sie sich ausländerrechtlich melden. Insgesamt haben sich bislang 1.296 Ukrainer*innen registriert. Die Verwaltung rät dazu, sich möglichst schnell im Dienstleistungszentrum anzumelden, weil auf dieser Grundlage alle Integrationsmaßnahmen der Behörden, Integrationskursträger und vieles mehr besser planbar werden.

„Für die Erstbeantragung von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sowie die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ist eine zuvor erfolgte Registrierung allerdings nicht zwingend erforderlich“, betont Sozialdezernentin Carolin Krause. „Wir wollen den Menschen, die in Not geraten sind, möglichst pragmatisch und unbürokratisch helfen. Eine Registrierung kann daher auch nachlaufend erfolgen.“ Informationen zur Beantragung von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz können unter  https://www.bonn.de/themen-entdecken/integration-migration/leistungen-nach-dem-asylbewerberleistungsgesetz.php (Öffnet in einem neuen Tab) abgerufen werden.

Die Ausländerbehörde lädt nach der Anmeldung im Dienstleistungszentrum zum persönlichen Antragstermin für die Aufenthaltserlaubnis ein. Aktuell hat das Ausländeramt ca. 150 Termine pro Woche für die Geflüchteten, ab kommender Woche werden bis zu 300 Termine pro Woche möglich sein.

70 Kinder besuchen bereits Grundschulen

Es ist davon auszugehen, dass rund zwei Drittel bis drei Viertel der Geflüchteten Kinder sein werden. Mit der einwohnermelderechtlichen Erfassung und der Wohnsitznahme in Bonn sind die Kinder schulpflichtig, d.h. sie haben damit auch ein Recht auf Beschulung. Die Stadt steht vor einer großen Herausforderung, den entsprechenden Schulraum zu schaffen. Und das auch, weil die Schulen angesichts steigender Schülerzahlen oftmals bereits ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben.

Stand 23. März sind 70 Kinder in Bonner Grundschulen aufgenommen worden, 95 Kinder und Jugendliche werden derzeit in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I vermittelt und 13 Jugendliche stehen auf der Warteliste für die Internationalen Förderklassen der Berufskollegs.

Nach Vorgaben des Landes sollen Kinder im Grundschulalter – wie schon in vorangegangenen Flüchtlingsszenarien – nach Möglichkeit direkt in den laufenden Grundschulbetrieb integriert werden.

An den weiterführenden Schulen wird es sogenannte internationale Vorbereitungsklassen (VKs) geben. Zielsetzung ist auch hier die schnellstmögliche Integration, spätestens aber die Integration nach zwei Jahren in das bestehende laufende Bildungssystem.

Für die Sekundarstufe 2 bzw. die Berufskollegs gibt es weitere Internationale Förderklassen (sogenannte IFKs). Zielsetzung ist der Bildungsabschluss bzw. die Vorbereitung auf eine Ausbildung.

Die Vermittlung eines Schulplatzes in Bonn erfolgt zentral über die Anlaufstelle der Schulaufsicht unter  ifkbonnde.

Zur Unterstützung der Lehrkräfte sind begleitende und unterstützende Angebote von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie usw. erforderlich, ggf. auch (externe) Sprachbegleiter*innen „Fit in Deutsch“, da die Alphabetisierung in der Regel in kyrillisch erfolgt ist.

Ungeachtet der vielfältigen Fragestellungen und Herausforderungen sind alle Bemühungen darauf gerichtet, alles zu tun, die geflüchteten Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen, sie pädagogisch gut aufzunehmen, ihnen in Schule Tagesstruktur, Zuflucht und Sicherheit zu bieten und ihnen so gut es geht die Fortsetzung ihres Bildungsweges zu ermöglichen.

Kinderbetreuung

Derzeit besteht die Möglichkeit, dass Kinder bis zu sechs Wochen als Besuchskinder in Kitas aufgenommen werden können. Das kann ganz flexibel – auch wenige Stunden am Tag – gehandhabt werden. Vor allem für Kinder, die im Sommer schulpflichtig werden, kann dies eine praktikables Angebot sein. Bisher ist von drei städtischen Kitas bekannt, dass sie insgesamt vier Kinder aufgenommen haben (Stand 23.03.2022), auch freie Träger haben schon vereinzelt Kinder aufgenommen. Die Personalsituation in den Kitas ist sehr angespannt und es konnten noch nicht alle Zusagen für Plätze für das nächste Kindergartenjahr erteilt werden, weil nicht sichergestellt werden kann, dass das erforderliche Personal da sein wird. In einer solchen Situation ist es mit Sicht auf den Schutz der Kinder und der Mitarbeiter*innen nicht zu verantworten, zusätzliche Kinder aufzunehmen.

Jugendförderung bietet Brückenangebote

Der große Anteil der Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine geflüchtet sind und Krieg und Flucht erleben mussten, stellt auch die Kinder- und Jugendhilfe in Bonn vor große Herausforderungen. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie begegnet dieser Aufgabe bereits seit 2015 mit besonderen pädagogischen Angeboten für junge Kinder unter sechs Jahren und deren Eltern und Angeboten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Sammelunterkünften für Geflüchtete. Diese sogenannten Brückenangebote bieten Spiel-, Kreativ-, Freizeit- und Beratungsangebot sowie einfache Sprachlern- bzw. Sprachförderangebote. Über Sechsjährige sollen zudem in bereits vorhandene Angebote für junge Menschen wie zum Beispiel in die Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit oder in Sportvereine „begleitet“ und integriert werden.

Das Amt für Kinder, Jugend und Familie arbeitet derzeit daran, die vorhandenen Brückenangebote zu erweitern und neue Brückenangebote in allen großen Sammelunterkünften einzurichten. Die Stadt ist dazu im engen Austausch mit freien Trägern, die bereits erklärt haben, weitere Brückenangebote kurzfristig zu schaffen. Darüber hinaus haben bereits viele Träger der freien Jugendhilfe, wie beispielsweise die Jugendverbände, mit speziellen Angeboten auf die Flüchtlingssituation reagiert bzw. vorhandene Angebote für Geflüchtete geöffnet.

Sprachkurse für Kinder und Jugendliche und deren Eltern

Die Internationale Begegnungsstätte des Amtes für Kinder, Jugend und Familie hat ebenfalls kurzfristig reagiert. Geflüchtete, die über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen, konnten durch eine Aufstockung der Platzzahlen in bereits laufende (Sprachförder-)Angebote integriert werden. Für Geflüchtete ohne Kenntnis der deutschen Sprache wurden kurzfristig neue Sprachlernkurse geschaffen. Der ersten Kurse für Jugendliche und deren Eltern sind bereits gestartet, weitere Kurse u.a. für Kinder im Grundschulalter und deren Eltern beginnen in der kommenden Woche. Weitere neue Kurse und Gesprächskreise für Frauen sind geplant. Insgesamt sind bereits gut 15 neue Angebote geschaffen worden oder geplant. Um weitere Angebote schaffen zu können, wird derzeit die personelle Verstärkung des Teams der Internationalen Begegnungsstätte vorangetrieben.

Schutz unbegleiteter Minderjähriger

Aktuell wurden 13 unbegleitete Minderjährige aus der Ukraine in Obhut genommen. Davon befinden sich sechs in der Jugendschutzstelle, sechs bei Verwandten und eines bei einer vom Fachdienst überprüften Privatperson.

Hinzu kommen aktuell 30 Minderjährige, bei denen noch geprüft wird, ob es sich überhaupt um Unbegleitete handelt.

Neben den Sprachkursen in der Internationalen Begegnungsstätte, werden Angebote der psychologischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle vorgehalten. Dies auch vor Ort, solange die aktuellen Personalkapazitäten dies zulassen. Die entsprechenden Flyer sind hierzu bereits ins Ukrainische übersetzt.

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