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Zeitfenster.

Fotos, Grafiken, Urkunden, Akten, Briefe oder historische Bücher: Im Depot von Stadtarchiv und Stadthistorischer Bibliothek lagert so manche Rarität. Die Reihe „Zeitfenster“ gewährt jeden Monat einen Blick in die Vergangenheit Bonns.

2019: Das Paul Magar-Gedenkjahr

Paul Magar, „Münster“, Lithografie, 1973

Der rheinische Künstler Paul Magar (1909 bis 2000) hätte am 14. November 2019 seinen 110. Geburtstag. Ihm zu Ehren veranstaltet der Verein Kunst und Kultur Bad Godesberg (KuKuG e.V.) ein Magar-Gedenkjahr. Von Magar, dessen bekanntes Oeuvre in Bonn-Bad Godesberg entstand, besitzt das Stadtarchiv einige Grafiken. Aus dem Mappenwerk „Bonn. 12 Originallithographien“ soll das Blatt „Münster“ vorgestellt werden.

Paul Magar, in Altenahr geboren, studierte an verschiedenen Werkkunstschulen und an der Kunstakademie in Berlin; sein früher Stil war akademisch. Nach Krieg, russischer Gefangenschaft und dem Verlust sämtlicher Werke in Berlin begann er im Jahre 1947 in Bad Godesberg einen Neuanfang, wo er in Auseinandersetzung mit der Malerei von Macke, Marc, Feininger und vor allem Delaunay seinen eigenen, unverwechselbaren Stil fand. Magars Kunst ist vor allem durch den Kubismus und die geometrische Abstraktion geprägt – die grafische Struktur ist für sein Werk bestimmend.

In den Sechziger Jahren bekam Magar in Bonn mehrere große öffentliche Auftragsarbeiten, unter anderen das große Wandbild im Altarraum der Kirche Sankt Bernhard in Bonn-Auerberg, das großflächige Mosaik am Bad Godesberger Verkehrspavillon sowie das Glasmosaik für die Stirnseite des Kurfürstenbades in Bad Godesberg. Im Jahre 1973 erschien Paul Magars Mappenwerk „Bonn. 12 Originallithographien“. Der Mappe mit Blättern in den Maßen 53 x 63 Zentimeter liegt ein Begleittext bei, den der Bonner Kunsthistoriker Prof. Heinrich Lützeler verfasste. Die Inspiration zu diesem kubistisch geprägten Bonner Bilderzyklus bekam Magar von Eberhard Marx, dem ehemaligen Direktor des Bonner Kunstmuseums. Nachdem Marx Magars Mappenoeuvre „Dome am Rhein“ (12 Bleistiftzeichnungen im Offsetdruck, 1970) sah, bewegte er ihn dazu, ein ähnliches Projekt für Bonn in Angriff zu nehmen, und so entstand Magars Mappenwerk mit den Bonn-Motiven. Dieses schenkte die Stadt Bonn Willy Brandt anlässlich seines 60. Geburtstags, wobei die zwölf Lithografien auf Brandt einen so großen Eindruck machten, dass er daraufhin Magar einen Besuch in seinem Atelier abstattete.

Blatt 6 der Bonn-Mappe mit dem Titel „Münster“ zeigt eine bekannte Bonner Szene, für die Magar eine ganz ungewöhnliche Perspektive gewählt hat. Das Beethovendenkmal – zentral im Bildvordergrund – ist von der Rückseite zu sehen und gibt den Blick auf das Bonner Münster frei. Der Betrachterstandpunkt ist nicht real: Magar verringert hier Abstände, wodurch die Weite des Platzes verloren geht; er konzentriert die Objekte, indem er starke Hell-Dunkel-Kontraste einsetzt. Er lässt Hintergründe durchscheinen, sodass architektonische Gebilde und Figuren „durchsichtig“ erscheinen, was an Magars Studien der Glasmalerei erinnert; auch die scharf abgegrenzten Formen verweisen auf die Technik der Glasmalerei. Der Münsterplatz ist mit zahlreichen Personen bevölkert, die jedoch nur Staffagefunktion haben – als Silhouetten wirken sie vollkommen anonym. Diese stets anonymen Figuren baute Magar seit den 1970er-Jahren in seine überwiegend strukturell-architektonischen Bilder mit ein. Vegetation ist im Werk Magars nur andeutungsweise vorhanden, so sind hier die Bäume zu Blütenkelchen stilisiert.

Im Paul Magar-Jubiläumsjahr finden folgende interessante Veranstaltungen statt, die der KuKuG e.V. in Kooperation mit dem Verein „Bürger. Bad.Godesberg“ organisiert:

5.11 - 1.12.2019: Farb-Sicht, Retrospektive 1
Ausstellung in Bad Godesberg, im Haus an der Redoute

Ab 14.11. 2019: Farb-Sicht, Retrospektive 2
Ausstellung in Konz

10.11.- 2.12.2019: Farb-Sicht, Retrospektive 3
Ausstellung in Bad Godesberg, Kunstverein

16.11.2019: Bus-Exkursion nach Konz zur Besichtigung der Magar-Austellung und Bus-Exkursion aus Konz zu den Magar-Ausstellungen in Bad Godesberg

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Bildnachweise

  • (c) Stadtarchiv Bonn
  • Stadtarchiv Bonn
  • Stadtarchiv Bonn
  • Klaus Pawlak/Stadtarchiv Bonn
  • Georg Munker/Bundesstadt Bonn
  • Stadtarchiv Bundesstadt Bonn
  • Kunstmuseum Bonn
  • Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn

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