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Bundesstadt Bonn

Zeitfenster.

Fotos, Grafiken, Urkunden, Akten, Briefe oder historische Bücher: Im Depot von Stadtarchiv und Stadthistorischer Bibliothek lagert so manche Rarität. Die Reihe „Zeitfenster“ gewährt jeden Monat einen Blick in die Vergangenheit Bonns.

Juni 2019: Kinderbücher

Das Wichtigste ist, dass Kinder Bücher lesen, dass ein Kind mit seinem Buch alleine sein kann. Dagegen sind Film, Fernsehen und Video eine oberflächliche Erfahrung.

Astrid Lindgren

Die Entwicklung des Kinderbuchs hat über Jahrhunderte stattgefunden. Einen Einstieg bietet das Mittelalter. Zu jener Zeit gab es kaum Kinderbücher. Der Großteil der Bevölkerung war arm und einen Schulbesuch der Kinder konnten sich nur sehr wenige Menschen leisten. Außerdem mussten Kinder armer Familien früh dem Vater im Handwerk oder der Mutter im Haushalt helfen. Nur Kinder reicher Bürger und Adeliger gingen zur Schule und lernten lesen und schreiben. Jedoch hauptsächlich, um dort streng erzogen und auf privilegierte Aufgaben vorbereitet zu werden. Damals musste jedes Buch von Hand abgeschrieben werden, weshalb nur von den wichtigsten Büchern Abschriften gefertigt wurden. Dazu zählten keine Kinderbücher. Als im Jahr 1450 der Goldschmied Johannes Gutenberg den Buchdruck erfand, konnten Bücher zwar schneller vervielfältigt werden, aber Kinderbücher waren nicht wichtig genug, um diese neue Entwicklung dafür zu nutzen.

Anfang des 17. Jahrhunderts sollten Kinder dann lesen lernen, um hauptsächlich die Bibel lesen zu können. Nach und nach zeigte man kleine Bilder neben dem ABC, damit die Buchstaben passend zu den Bildern lernbar waren. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden sogar enzyklopädische Kinderbücher entworfen. Man wollte den Kindern die Welt erklären. Zu jedem Artikel folgte erst ein Bild und dann der Text in zwei Sprachen: Deutsch und Latein. Damit wurde auch die lateinische Sprache gelernt. Im 18. Jahrhundert kam die Frage auf, ob auch Mädchen lesen sollten und wenn ja, was. Erst gab es nur Bücher über Haushalt und Kindererziehung, später setzten sich auch Romane für Mädchen durch. Großen Zuspruch fanden auch Abenteuerbücher für Kinder, ganz berühmt würde „Robinson Cruseo“ von Daniel Defoe (Original schon von 1715). Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich immer mehr Unterhaltungsgeschichten für Kinder, was sich bis heute nicht geändert hat.

Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek sind im Besitz einiger sehr besonderer und alter Kinderbücher. Zum Beispiel den Titel „Neues französisches und deutsches, der Fassungskraft der Kinder angemessenes ABC, welches auserlesene, leichte und belehrende Fabeln, Unterhaltungen, &c. enthält, nebst einer Anleitung zur Erleichterung des französischen Unterrichts 1849“ von 1810.

Dieses Buch ist in Deutsch und Französisch verfasst. Interessant ist, warum dieses Buch entstand. Der Autor wurde oft von Lehrern um ein leichtes Buch zur Erlernung der französischen Sprache gebeten. Man wünschte ein kleines Buch, „welches, außer dem ABC, Unterhaltungen für Kinder, Erzählungen, Fabeln etc. enthielte, alles stufenweise, zur Unterhaltung der Kinder und zur Beförderung ihres Geschmacks im Lesen eingerichtet“. Denn, wie der Autor feststellte, waren der Stoff der damaligen ABC Bücher „entweder über die Fassungskraft der Kinder, oder er hat nichts, oder nur sehr wenig Anziehendes für sie“.

Ein weiteres Buch im Bestand der Bibliothek ist der Titel „Dä Hond on dat Eechhohn. Ä Verzellsche für Blahge“ („Der Hund und das Eichhorn. Eine Geschichte für Kinder“). Es wurde 1849 von der Bonnerin Johanna Kinkel auf Rheinischem Dialekt geschrieben. Von 1909 ist der Titel „Arndts Märchen“. Geschrieben von Ernst Moritz Arndt, der viele Jahre in Bonn als Professor an der Universität gelehrt hat, beinhaltet es sechs Märchen. Auch wenn Arndt eher ein Kämpfer war und seine Kampfschriften und Kriegslieder berühmter sind, so sind seine Märchen dagegen „Geschichten voll Anmut und Schalkheit“ und sollen Kinderherzen erfreuen.

„Arndts Märchen“, von Ernst Moritz Arndt, 1909

Im Bestand der Stadthistorischen Bibliothek befinden sich aber auch neue Kinderbücher. Beispielsweise spezielle Bonn-Kinderbücher. Da wäre das Bonner Märchenbuch für Kinder „Lisa und ihre Freunde der Nacht“ von Ursula Frank, in dem die schlauste Maus von Bonn Lisa die Hauptperson ist. Anhand Ihrer Abenteuer quer durch Bonn lernen Kindern die Stadt, Sehenswürdigkeiten und natürlich Beethoven kennen.

"Lisa und ihre Freunde der Nacht“, von Ursula Frank

Für ältere Kinder gibt es das Schul- und Kinderbuch „Bonn-Buch für Kinder“ von Barbara Stein. Das Buch führt durch die Bonner Geschichte vom Altertum bis heute und zeigt die bedeutendsten Personen, Baudenkmäler und Wahrzeichen. Zusätzlich gibt es in diesem Buch Malbögen, Quizfragen und Bastelanleitungen, Arbeitsblätter, Such- und Beobachtungs-aufgaben.

Quellen:

  • Jacobs, Heiner: Die Bilderwelt im Kinderbuch. Kinder- und Jugendbücher aus fünf Jahrhunderten. Köln: Museen der Stadt Köln, 1988
  • Mozin, Abbe: Neues französisches und deutsches, der Fassungskraft der Kinder angemessenes ABC, welches auserlesene, leichte und belehrende Fabeln, Unterhaltungen, &c. enthält, nebst einer Anleitung zur Erleichterung des französischen Unterrichts 1849. Bonn: Kaspar Tilmes, 1810
  • Kinkel, Johanna: Dä Hond on dat Eechhohn. Ä Verzellsche für Blahge. Bonn: Sulzbach, 1849
  • Arndt, Ernst Moritz: Arndts Märchen. Leipzig: Abel & Müller GmbH, 1909
  • Frank, Ursula: Lisa und ihre Freunde der Nacht. Das Bonner Märchenbuch für Kinder. Königswinter: Lempertz, 2013
  • Stein, Barbara: Bonn-Buch für Kinder. 8. überarb. Aufl. Bonn: Bouvier, 2017

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Bildnachweise

  • Klaus Pawlak/Stadtarchiv Bonn
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  • Stadtarchiv Bundesstadt Bonn
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