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Bundesstadt Bonn

Zeitfenster

Fotos, Grafiken, Urkunden, Akten, Briefe oder historische Bücher: Im Depot von Stadtarchiv und Stadthistorischer Bibliothek lagert so manche Rarität. Die Reihe „Zeitfenster“ gewährt jeden Monat einen Blick in die Vergangenheit Bonns.

November 2020: 150 Jahre Postkarten

Die Postkarte feiert dieses Jahr ihren 150. Geburtstag; ihre Einführung am 1. Juli 1870 gilt als Geburtsstunde der Postkarte in Deutschland. Damals noch als "Correspondenz-Karte" bezeichnet, ersetzte die deutsche Reichspost diese im Jahre 1872 durch die offizielle Bezeichnung „Postkarte“. 

Die später auch unter dem Begriff „Ansichtskarte“ offen lesbare Mitteilung wurde sofort ein voller Erfolg. Die Postkarte trug auf der Vorderseite die Adresse des Empfängers sowie die Briefmarke, während sie auf der Rückseite beschrieben war, wodurch das Postgeheimnis aufgehoben wurde. Die analoge Kurznachricht wurde zum absoluten Renner. Bereits am Tag des offiziellen Verkaufsstarts wurden in der deutschen Reichshauptstadt Berlin mehr als 45.000 „Correspondenz-Karten“ verkauft. Um 1900 wurden schließlich fast eine Milliarde Postkarten zugestellt. Das neue Kommunikationsmedium war “in“ – es war Mode, Postkarten zu verschicken. Die schnellen Kurznachrichten wurden zum Welterfolg. Da in den Großstädten die Post mehrmals am Tag ausgeliefert wurde, erreichte die Karte den Empfänger meist in wenigen Stunden und günstig war sie auch, denn das Porto kostete nur halb so viel wie beim Brief.

Was die Geschichte der Philokartie betrifft, so ist die Postkarte als neue Form der schriftlichen Kommunikation ursprünglich eine deutsche Erfindung. Bereits im Jahre 1865 hatte der deutsche Postreformer Heinrich von Stephan die Idee, den teuren Brief um eine preisgünstige Variante zu ergänzen: Das „offene Postblatt“ schlug er als einfache und günstige Mitteilungsform, als eine Alternative zum Brief, vor. Da nun der Inhalt auch für andere einsehbar war, sahen Kritiker die Privatsphäre des Empfängers gefährdet, sie äußerten ihre Besorgnis um das Briefgeheimnis und befürchteten wohl nicht zuletzt vor allem sinkende Einnahmen. Besonders wurde auch die „unanständige Form der Mitteilung auf offenem Postblatt“ beanstandet. Man fürchtete, die Postkarte werde einen Sittenverfall in deutschen Landen nach sich ziehen und von Stephans Vorschlag wurde verworfen. Doch das neue Medium entsprach dem Zeitgeist und die Idee wurde schließlich von Österreich-Ungarn aufgegriffen. Dort war man weniger prüde und führte die Postkarte vier Jahre später - nämlich im Oktober 1869 - mit der Bezeichnung „Correspondenz-Karte“ ein. Ganz zu Anfang waren diese Karten noch unbebildert.

Letztendlich konnte von Stephan seine bahnbrechende Idee dann doch noch ein Jahr später in Deutschland umsetzen und führte hier die „Correspondenz-Karte“ im Sommer 1870 ein.

Rheinmotiv mit Blick von Beuel auf Bonn; Hochformat; Lithographie, braun-getont; Stempel: 12.10.1882; Signatur: DA02_00117

Als erste deutsche Postkarte gilt gemeinhin diejenige des Oldenburger Druckers und Buchhändlers August Schwartz, die dieser am 16. Juli 1870 nach Magdeburg verschickte - mit einem Bildchen bedruckt, zeigt sie oben links einen Kanonier auf dem Schlachtfeld.

Bereits in den 1870er-Jahren wurde das neue Kommunikationsmedium zum populären Bildträger weiterentwickelt. Anfangs wurde die Anschriftenseite der Postkarte mit kleinen Zeichnungen oder gedruckten Bildern versehen, doch die Größe des Bildes war hier sehr begrenzt, da die Lesbarkeit der Anschrift nicht beeinträchtigt werden durfte. Mehr Bildraum bot dagegen die Mitteilungsseite, weshalb die Karten dort seit den 1880er-Jahren in halber Postkartengröße mit Bildern versehen wurden. Der Konflikt zwischen Bildschmuck und Mitteilungsbedürfnis auf der Ansichts- und Textseite löste schließlich 1905 die bahnbrechende Neuerung – den Teilungsstrich - aus. Die Teilung der Adressseite erfolgte in zwei Abschnitte: Rechts war Raum für die Adresse des Empfängers und die linke Seite war für schriftliche Mitteilungen vorgesehen, womit die Rückseite nun vollständig dem Bild zur Verfügung stand.

Grußkarte mit Alter Rheinbrücke; Querformat; Farblithographie; Stempel: 14.07.1905; Signatur: DA02_00980
Die neue Rheinbrücke (seit 1963 Kennedybrücke) mit Blick auf Beuel; Querformat; schwarz-weiß Fotografie, um 1950; Signatur: DA02_09036

Die topographische Postkarte mit Ansichten von Orten oder Landschaften findet bis heute am häufigsten Verwendung. Die Themen der Postkarte sind darüber hinaus sehr vielfältig: Gruß- und Glückwunschkarten, Politik, Kunst, Sport, Vergnügungsorte, Liebe, Erotik und Humor. Die Postkarte übernimmt unter anderem die Funktion als berichtendes Medium – sie zeigt nicht nur Bilder von technischen Errungenschaften, sondern auch Abbildungen von Katastrophen, wie Brände oder Unfälle. Bei dramatischen Geschehnissen wurden sofort Ansichtskarten davon gedruckt. So wie heute Fotos und Nachrichten von wichtigen Ereignissen über Social Media verbreitet werden, wurden früher Postkarten verschickt. Die Postkarten sind nicht zuletzt deshalb heute wichtige „Kulturobjekte“, die die Vergangenheit in Bildern eingefangen haben und die den historischen Wandel der Zeit dokumentieren. So ist die Postkartensammlung des Bonner Stadtarchivs gerade als geschichtlicher Aussageträger mit ihren über 17.000 Postkarten ein gefragtes kulturgeschichtliches Dokument, das den Wandel der Zeit von 1882 bis zur Gegenwart darstellt.

Das Sammeln von Ansichtskarten hat in Deutschland Tradition. So gibt es in Deutschland seit langem Philokartisten, die Postkarten sammeln. Bereits 1894 wurde in Hamburg der erste „Sammelverein für illustrierte Postkarten“ gegründet und mit der Farbigkeit der Ansichtskarten Ende des 19. Jahrhunderts stieg ihre Beliebtheit als Sammelobjekt noch weiter. Die Jahre 1895 bis 1918 gelten als Blütezeit der Postkarte: Allein im Ersten Weltkrieg wurden rund zehn Milliarden Stück verschickt. In den 50er- bis 80er-Jahren beförderte die Deutsche Bundespost jährlich um die 900 Millionen Ansichtskarten, doch seit den 90er Jahren ist die Tendenz fallend - 2019 waren es dann nur noch 147 Millionen.

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