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Bundesstadt Bonn

Zeitfenster.

Fotos, Grafiken, Urkunden, Akten, Briefe oder historische Bücher: Im Depot von Stadtarchiv und Stadthistorischer Bibliothek lagert so manche Rarität. Die Reihe „Zeitfenster“ gewährt jeden Monat einen Blick in die Vergangenheit Bonns.

Vor 150 Jahren - Abriss des Mülheimer Törchens in Bonn

Bild vom Mühlheimer Törchen von Clemens Philippart um 1869

Im Jahre 1869 – also vor 150 Jahren - ist das Mülheimer Törchen bei der Anlage der Münsterstraße abgerissen worden. Es war Teil der mittelalterlichen Stadtmauer im Bereich der heutigen Cassiusbastei und zwar gegenüber vom Kaufhaus Galeria (ehemals Karstadt). Die Stadtmauer, die in Bonn im Zuge der Stadtwerdung seit der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, hatte neben den drei Haupttoren noch kleinere Tore: So gab es unter anderem das etwas weiter südlich des Sterntors nach Südwesten gelegene Mülheimer Törchen auch „Mülheimer Pförtchen“, „Mülmer thörlen“, „Mülheimer Türlein“ oder „Mülheimer Thürgen“ genannt. Der kleine Platz davor - „Auf dem Kälberdanz“ - wurde erstmals im Jahre 1737 erwähnt.

Im 13. Jahrhundert bei der Ausführung der Ringmauern errichtet, fand das Mülheimer Törchen im Jahre 1372 die erste urkundliche Erwähnung. Seinen Namen erhielt es von dem nahe am Endenicher Bach gelegenen Fronhof von St. Cassius. Durch dieses Törchen gab es nun eine direkte Verbindung zwischen dem Cassiusstift und der kleinen Siedlung Mülheim, die aus einem großen Gehöft, dem Bongartshof (1401-1676) sowie neun Wohnhäusern bestand. Der auch „Molenheim“ genannte Hof mit der am „Bonner Bach“ gelegenen Mühle wurde im Jahre 1143 erstmals erwähnt. Wie ein Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä. aus dem Jahre 1646 zeigt, lag er vor dem Mülheimer Törchen an einem Wege zwischen heutiger Post- und Meckenheimer Straße und reichte bis zur Quantiusstraße - also im Bereich des Hauptbahnhofes. Bei der Anlage der Festungswerke wurde die Siedlung schließlich im Jahre 1676 abgerissen. Auf Merians Stadtplan von Bonn ist das Mülheimer Törchen als viereckiger Vorbau dargestellt, der von zwei Halbtürmen flankiert wird. Über den Stabgraben führt eine mit Palisaden gedeckte Brücke, an deren Ende ein weiterer Torbau ausgeführt ist. Der spitzbogige Eingang des Törchens war, ähnlich wie beim Sterntor, von einem Rundstab mit Teilungsringen eingefasst. Im Jahre 1689 wurde das Törchen bei der Brandenburgischen Belagerung Bonns stark beschädigt und kurz darauf mit dem alten Baustoff – nämlich aus Tuff und Basalt- in ziemlich roher weise wiederaufgebaut. Genau zweihundert Jahre später wurde es im März 1869 im Zuge der Stadtsanierung schließlich abgerissen.

Undatierte Grafik von Mathias Frickel

Die Niederlegung großer Teile der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtbefestigung war ein Motiv, das vom Bonner Maler Mathias Frickel (*9. Mai 1833 in Bonn; † 16. März 1911 ebenda) immer wieder aufgriffen wurde. Wie detailgetreu Frickel das Bonner Milieu festgehalten hat, verdeutlicht eine Fotografie des zugemauerten Mülheimer Törchens (Signatur: DA01_01666-01), die von dem Bonner Fotografen Clemens Philippart (*21. April 1807 Bonn; †20. September 1882 ebenda) stammt, der als einer der ersten Fotografen zwischen 1850 und 1881 in Bonn nachzuweisen ist.

Mathias Frickels Oeuvre, von dem das Bonner Stadtarchiv 123 Aquarelle sowie zwei Temperagemälde besitzt, besteht vorwiegend aus Stadtansichten von Bonn sowie Landschaftsansichten vom Rhein, der Donau, Ahr, Mosel und von Amerika. Die Malerei war für Frickel Freizeitbeschäftigung, so malte er auch nur für private Zwecke. Als Autodidakt hatte er nie eine Zeichenschule besucht und sein Werk ist stilistisch auch keiner Schule zuzuordnen. Frickel hatte keinen künstlerischen Anspruch - er wollte vielmehr dokumentieren und überliefern, was sein Werk für die heutigen Historiker so wertvoll macht: Mit Liebe zum Detail hielt er zumeist Gebäude und Straßenzüge von Bonn fest, die heute so nicht mehr existieren. Dabei setzte er seinen Fokus auch auf kleinste Details - so werden selbst Mauerrisse oder Türbeschläge naturgetreu wiedergegeben. Hierdurch lassen sich die großen städtebaulichen Veränderungen in Bonn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachvollziehen, in dem es zu einem starken Wandel des Stadtbildes kam. Frickel versah auch viele seiner Bilder mit Legenden zur Historie seiner Motive: So notierte er Abrissdaten, bauliche Veränderungen und fügte zum Teil sogar die Geschichte des Hauses hinzu. Eng mit seiner Geburtsstadt Bonn verbunden, war er eines der frühesten Mitglieder des 1886 gegründeten Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, der damals noch „Alt-Bonn“ hieß. Frickels stadthistorisches Interesse geht einher mit den Zielen des Vereins, der von Beginn an „die Erhaltung wertvoller Bauwerke“ zu den vorrangigsten Zielen setzte und wurde somit zum Dokumentar des „Alten Bonns“. Bei seinen Bildern handelt es sich durchweg um Objekte, Gebäude oder Straßenzüge, deren Verschwinden er erlebt hat bzw. die aufgrund der städtebaulichen Planungen in Bonn von Abriss bedroht waren. Deshalb hatte Frickel beispielsweise die Universität oder das Rathaus, deren Bestand nicht gefährdet war, gar nicht als Motive beachtet.

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Bildnachweise

  • Stadtarchiv Bonn
  • Stadtarchiv Bonn
  • Stadtarchiv Bonn, Grafische Sammlung
  • Stadtarchiv Bonn, Grafische Sammlung
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek
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  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Klaus Pawlak/Stadtarchiv Bonn
  • Klaus Pawlak/Stadtarchiv Bonn
  • Paul Magar, „Münster“, Lithografie, 1973
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Bildreproduktion aus dem Ausstellungskatalog des August Macke Hauses
  • Bildreproduktion aus dem Ausstellungskatalog des August Macke Hauses
  • Foto: Klaus Pawlak/Stadtarchiv Bonn
  • Foto: Georg Munker, Mitte der Sechziger Jahre
  • Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • Collage Stadtmuseum Bonn
  • MultiKultiChor Bonn
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn

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