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Bundesstadt Bonn

Zukunft der Bonner Friedhöfe wird nachhaltig gestaltet

Wie sollen die 40 städtischen Friedhöfe in Bonn in Zukunft entwickelt werden? Mit dieser Frage hat sich die Stadtverwaltung vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Bestattungskultur intensiv beschäftigt. In Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch Friedhof wurde ein umfassendes Friedhofskonzept erarbeitet, welches der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat.

Seit Beginn des Jahrtausends ist die Bestattungskultur nicht nur in Bonn, sondern bundesweit einem starken Wandel unterworfen: Der Trend geht weg von der traditionellen Körperbestattung hin zu mehr Urnenbestattungen. Die Bereitschaft und die Möglichkeit vieler Menschen, die individuelle Grabpflege für Angehörige zu übernehmen, sinkt, wohingegen die Nachfrage nach pflegefreien Bestattungsmöglichkeiten steigt. Dieser Wandel, hat einen gravierenden Einfluss auf die benötigten Friedhofsflächen, die Bewirtschaftungskosten und letztlich auch auf die Friedhofsgebühren.

Konstruktive Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch Friedhof

Mit dem Friedhofskonzept hat die Stadtverwaltung diese veränderte Ausgangslage analysiert und Leitlinien für die Weiterentwicklung der Friedhöfe für die Zukunft definiert. Das Besondere an diesem Prozess: Das Friedhofskonzept wurde in engem Austausch mit dem Runden Tisch Friedhof erarbeitet, dem neben der Verwaltung und den Ratsfraktionen auch die Religionsgemeinschaften, Bestatter, Steinmetze, Gärtner, Kreishandwerkerschaft sowie Denkmal- und Geschichtsvereine angehören.

„Der Austausch zwischen den verschiedenen Beteiligten war ausgesprochen konstruktiv. Wir freuen uns, dass wir im Ergebnis nun ein umfassendes Konzept haben, dass allen Interessen Rechnung trägt und auf dessen Basis wir die Zukunft der Bonner Friedhöfe nachhaltig gestalten können“, so David Baier, Leiter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün.

Dezentrale Friedhofsstruktur bleibt erhalten

Auch wenn künftig weniger Platz für Bestattungen benötigt wird, steht am Ende dieses Prozesses fest: Die 40 städtischen Friedhöfe sollen erhalten bleiben. Lediglich auf dem Alten Friedhof Kessenich sollen ab sofort keine neuen Nutzungsrechte mehr vergeben und somit langfristig keine Bestattungen mehr stattfinden.

Die ursprünglich angedachte Komplettschließung des alten Friedhofs in Ippendorf ist vom Tisch. Lediglich ein Bereich des Friedhofs soll geschlossen werden, da hier vor rund 30 Jahren Teile der Friedhofsfläche ins Melbtal rutschten und umfangreich stabilisiert werden mussten. Auch wenn vor Ort keine Bestattungen mehr stattfinden, bleiben aber sowohl der Alte Friedhof Kessenich als auch der geschlossene Friedhofsteil in Ippendorf in ihrer jetzigen Form erhalten – ähnlich wie der Alte Friedhof, auf dem bereits seit vielen Jahren keine Bestattungen mehr stattfinden. 

„Die dezentrale Friedhofsstruktur und die damit verbundene Nähe zum Wohnort ermöglicht die Identifikation mit dem Friedhof im eigenen Viertel, was für viele Menschen von großer Bedeutung ist“, erklärt Heinz-Josef Houf, Leiter der Bestattungs-Abteilung im Amt für Umwelt und Stadtgrün. „Friedhöfe stärken die Gemeinschaft. Gerade für die oft alleinstehenden Hinterbliebenen von Verstorbenen sind sie als Treffpunkt mit Menschen, die das gleiche Schicksal teilen, ein wichtiger Ort der Trauerbewältigung“, so Houf weiter.

Hohe Bedeutung für Artenvielfalt und Klimaanpassung

Doch Friedhöfe erfüllen noch viele weitere Funktionen: „Unsere Friedhöfe sind grüne Oasen mitten in der Stadt und bieten so einen Ort der Erholung und Ruhe für die Menschen. Außerdem leisten diese vielen kleinen und größeren Grünanlagen einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung und zur Artenvielfalt in der Stadt“, betont David Baier, Leiter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün. 

Den Umweltaspekt möchte die Stadt mit ihrem Friedhofskonzept künftig noch weiter stärken. Flächen, die nicht mehr für Bestattungen benötigt werden, sollen nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen ökologisch aufgewertet werden. An verschiedenen Stellen wird dies bereits jetzt schon umgesetzt: Für das Projekt „Lebensstätte Friedhof“ hat etwa die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft auf brachliegenden Friedhofsflächen Wildblumenwiesen angelegt und Insektenhotels errichtet. Fest steht, dass alle Friedhöfe in ihren vorhandenen Grenzen als Grünanlage erhalten bleiben, Versiegelungen oder Bebauungen kommen nicht in Frage.

Kapellen und Trauerhallen bleiben erhalten

Herzstück und prägender Bestandteil der Friedhöfe sind Kapellen und Trauerhallen. Das Friedhofskonzept sieht vor, dass grundsätzlich alle Gebäude erhalten bleiben sollen. Die Stadt wird zudem prüfen, an welchen Standorten ein Aus- bzw. Umbau der Einrichtungen sinnvoll ist. In diesem Zuge sollen dann auch die vorhandenen Besuchertoiletten modernisiert und sofern möglich barrierefrei gestaltet werde. Die Kühlzellen in den städtischen Trauerhallen sollen bis auf wenige Ausnahmen stillgelegt und anderweitig genutzt werden.

Weitere Informationen rund um die städtischen Friedhöfe in Bonn gibt es unter  www.bonn.de/friedhoefe (Öffnet in einem neuen Tab).

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