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Bundesstadt Bonn

Poesie des Gärtnerns

Der Garten als Metapher und künstlerisches Wirkungsfeld

Veranstaltungsinformationen

Datum & Uhrzeit

BERNHARD JOHANNES BLUME / JOSEPH BEUYS • BJÖRN BRAUN • IAN HAMILTON FINLAY • ROBERT HAISS • SR. M. PIETRA LÖBL • DEREK JARMAN / HOWARD SOOLEY • ANTJE MAJEWSKI / PAWEL FREISLER • PIETER LAURENS MOL • GABRIELA OBERKOFLER •
GABRIEL ROSSELL-SANTILLAN • URSULA SCHULZ-DORNBURG • KATRIN VELLRATH • LOIS WEINBERGER • GEORG WINTER • SUSANNE M. WINTERLING / ANTONIA LOTZ –
KURATIERT VON BETTINA HAISS UND BIRGIT KULMER.
   
DIE AUSSTELLUNG IST GEFÖRDERT VON DER STIFTUNG KUNSTFONDS, FREUNDE UND FÖRDERER DER BURG LEDE E.V. UND DER STIFTUNG ERLEBNIS KUNST

Ausgehend von der Natur als Nährboden für eine aufklärerisch kritische Gesinnung bringt die Ausstellung „Poesie des Gärtnerns. Der Garten als Metapher und künstlerisches Wirkungsfeld“ die konzeptuellen Annäherungen von 19 Künstlerinnen und Künstlern an das Thema des Gärtnerns zur Anschauung. Dabei werden die beiden Standorte der Galerie Parrotta in Köln und Bonn zu ganz unterschiedlichen Wirkungsfeldern. Auf dem weitläufigen Gelände um die Burg Lede mit ihrer historischen Parkanlage, die auf Pläne des Reform-Gartenarchitekten Walter Baron von Engelhardt zurückgeht, finden Pflanzungen und ortspezifische Interventionen statt, die dem Prinzip des „Säens und Erntens“ verpflichtet sind. Das Spektrum der Medien umfasst neben Fotografie, Malerei, Zeichnung und Skulptur auch Installation, Performance und Komposition. 
Auf der Fotografie „Die Erde halten“ des kürzlich verstorbenen Lois Weinberger ist der Rumpf des Künstlers zu sehen, der in seinem Arm und in seiner gegerbten Hand dunkle Erde geradezu liebevoll hält. Pflanzen stehen im Werk Lois Weinbergers im Mittelpunkt seines Diskurses über das Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft. Doch mit seiner „Poetik des Ruderalen“ – von Pflanzen, die in Brachlandschaft wachsen – steht Weinberger der klassischen Gartenkunst diametral gegenüber. Entgegen einer anthropozentrischen Vorstellung einer „ursprünglichen Natur“ und „gegen die Ästhetik des Reinen und Wahren, gegen ordnende Kräfte“, wie er sagt, interessiert Weinberger gerade der herangewehte Wildwuchs. Die elementare Wertschätzung der Erde als reine Potentialität – aus der alles wächst, wuchert und vergeht – teilt der Anti-Gärtner mit dem beispielhaften Gärtner unter den Künstlern – Ian Hamilton Finlay. Der schottische Künstler, Dichter, Philosoph und Gartengestalter schuf ab1965 seinen "Little Sparta" genannten Garten südlich von Edinburgh, um ihn kaum je mehr zu verlassen. Die Abgeschlossenheit des Gartens stellt einen elementaren Aspekt des Gärtnerns dar. Hebt sich der Garten und das Reich des Gärtners doch unweigerlich gegenüber einem entweder als Wildnis oder als Zivilisation gekennzeichneten Außen ab. Dies trifft auch auf Derek Jarmans Garten „Prospect Cottage“ zu, der ebenfalls zur Bastion, zur Kampfansage.wird. Im unheilvollen Schatten des Kernkraftwerks von Dungeness gestaltete Derek Jarman zusammen mit Howard Sooley einen unorthodoxen Garten, der von Sooley auch fotografisch dokumentiert wurde. Als Heilung einer Landschaft in feindlicher Umgebung begreift Jarman sein Anliegen, wobei der Überlebenskampf der Pflanzen im charakteristischen unwirtlichen Kies der Küstenregion symbolhaft seine eigene Krankheitserfahrung widerspiegelt.

Eine in Rousseaus Sinne herbeigesehnte „Rückkehr“ in ein ungetrübtes Naturidyll muss eine Illusion bleiben, „Fortschritt“ lässt sich nicht rückgängig machen. Vielmehr muss er, als erreichter Zustand der Menschheitsgeschichte und auch in seiner gesellschaftspolitischen Dimension, einbezogen werden in die aktive Auseinandersetzung mit den Konzeptionen von „Garten“ und „Natur“. 
Antje Majewski und Pawel Freislers „Der Apfel. Eine Einführung. (Immer und immer und immer wieder)“ ist eine komplexe Installation aus Gemälden, Objekten und Filmen über den Apfel als Beispiel für den Verlust an Biodiversität und gleichzeitig ein Aufruf zur Pflanzung. Daran anknüpfend komponierte Katrin Vellrath, die als Kind im Garten der Burg Lede spielte, für den örtlichen Adelheidis-Chor eine Apfelhymne. 
Die gemeinsam mit Nagetieren entstandenen Skulpturen von Björn Braun sind hochgestapelte, äußerst fragile Säulen etwa aus angenagten Rettichen oder Kartoffeln, die an die Endlose Säule (1937) von Constantin Brancusi denken lassen und damit zugleich auf Transzendentes und Profanes des Gärtnerns verweisen.
Die Ausstellung bietet einen Rahmen für die Entfaltung des Gartens zwischen Theorie und Praxis, zwischen entrücktem Ideal und materieller Realität, vor allem aber zwischen Saat und Ernte. In diesem Zeitraum offenbart sich die Poesie des Gärtnerns im Lichte ständiger Veränderung und Ungewissheit. Es muss offen bleiben, ob und wie die Saat aufgeht. 
Gerade die in Teilen auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Anlage von Burg Lede scheint als geschichtsträchtiger Ort besonders geeignet, eine Vielfalt zeitabhängiger Beschreibungen und Betrachtungen von Natur zusammenzuführen und damit Historizität und Aktualität in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Neu angestoßene Veränderungsprozesse erscheinen hier stets im Spiegel einer longue durée. Schon die programmatische Schrift des vorgenannten Gartenkünstlers Walter von Engelhardt „Kultur und Natur in der Gartenkunst“ fordert die Aufhebung der Opposition. 
Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch die Stiftung Kunstfonds Bonn. Die Ausstellung endet am 4. Oktober mit einem Erntedankfest und ist begleitet von einem Rahmenprogramm für Kinder und Erwachsene. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

RAHMENPROGRAMM

   

Samstag, 27. Juni 2020, 11 Uhr s.t. 
Performance: "Apple Cuckoo" mit Trevor Lee Larson, Antje Majewski, Alexander Olligschlager, Annette Saul, Maria Bormann, Katrin Vellrath. Komposition und Text von Katrin Vellrath

 

Samstag, 27. Juni 2020, 14-18 Uhr
Performance, "TanzPflanzPlan" mit Brit Cordes, Hyun Jo Do, Marie Goetze, Yannik Herter, Larissa Peters, Julia Rabusai, Christian Richert, Yining Tan, Georg Winter

Sonntag, 19. Juli 2020, 16 Uhr
Vortrag, Birgit Kulmer, Ian Hamilton Finlays „Little Sparta“

Dienstag – Freitag, 4. – 7. August 2020, 9 – 14 Uhr
Ferienprogramm der Freunde und Förderer der Burg Lede e.V.,
Poesie des Gärtnerns, für Kinder von 8-10 Jahren, mit Andrea Iachelini, gefördert von der Stiftung Erlebnis Kunst 

Freitag, 7. August, 17 – 19 Uhr
Kompost-Workshop, Antonia Lotz, „Zusammenleben mit Würmern“

   

Sonntag, 16. August 2020, 16 Uhr
Literarischer Spaziergang mit N.N.
Unkostenbeitrag: 15 €
Veranstalter: Freunde und Förderer der Burg Lede e.V.

Samstag, 22. August, 21 Uhr
Freiluft-Filmprogramm, „Ein Einhorn im Garten“ kuratiert von Daniel Kothenschulte

Sonntag, 4. Oktober 2020, 15 – 18 Uhr
Finissage/Apfelfest mit Antje Majewski, Programm und Livemusik, Infostand zu Streuobstwiesenschutz und Obstsorten Biologische Station Bonn/Rhein-Erft

   

Weitere Programmpunkte und Termine von Führungen durch die Ausstellungen in Köln und Bonn mit den Kuratorinnen Bettina Haiss und Birgit Kulmer, sowie aktuelle Hinweise zu COVID 19 finden Sie unter www.parrotta.de

Innerhalb des Rahmenprogramms bitten wir um Voranmeldung zu den stets personenanzahlbegrenzten Veranstaltungen und das Tragen einer Schutzmaske zur Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern. Vielen Dank!

Informationen

Anmeldungkeine Voranmeldung nötig

Eintritt

Eintritt ist frei

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