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Bundesstadt Bonn

Bonn engagiert sich für Klimaschutz und Klimaanpassung

Stand: Mai 2022

Die Stadt Bonn engagiert sich seit Mitte der 1990er Jahre im Klimaschutz und seit 2011 auch im Bereich Klimaanpassung. Ziel aller Maßnahmen im Klimaschutz ist die Senkung der lokalen CO2-Emissionen. Der Weg dorthin führt über eine Reduzierung des Energieeinsatzes, die effiziente Energienutzung, die Substitution von fossilen durch erneuerbare Energien. Den nicht mehr abwendbaren Folgen der Klimakrise versucht die Stadt durch eine angepasste Planung, die insbesondere der stadtklimatischen Situation Rechnung trägt, zu begegnen. 

Für eine Stadt wie Bonn gibt es für den Klimaschutz und die Klimaanpassung Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Handlungsfeldern. Sie reichen von der Stadtplanung über die Energieversorgung und die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum politischen Engagement in Städtenetzwerken.

Klimaschutz

Ziele

Bonn soll bis 2035 klimaneutral werden. Im Rahmen des Konvents der Bürgermeister für Klima und Energie hat sich die Stadt Bonn außerdem dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen in Bonn bis zum Jahr 2030 um mindestens 40 Prozent zu senken. Diese Zielvorgabe wurde auch im „Leitbild der Stadt Bonn zu Klimaschutz und Klimaanpassung“ übernommen.

Strategie

Aktuell wird mit externer Begleitung ein Klimaplan 2035 für Bonn entwickelt. In diesem Plan werden u.a. das Bonner CO2-Restbudget bis 2035 definiert, Reduktionspfade aufgezeigt sowie Strategien und Szenarien mit Blick auf 2035 entwickelt. Kernstück des Klimaplan ist ein konkreter Aktivitätenplan für zunächst drei Jahre (2023 – 2025). Dieser soll bis Herbst 2022 vorliegen.

Außerdem wird in den Jahren 2021 und 2022 ein breit angelegtes Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ durchgeführt. Es geht in verschiedenen Beteiligungsformaten der Frage nach, wie der Prozess zu einem lebenswerten, klimaneutralen Bonn gelingen kann. Das komplexe Verfahren wird in Kooperation zwischen der Stadt und dem Verein Bonn im Wandel umgesetzt und ist eng verknüpft mit der Erarbeitung des Klimaplans 2035.

Im Projekt „Klimaneutraler Konzern“ wird zudem ein Fahrplan für die Verwaltung und alle Beteiligungsgesellschaften mit Mehrheitsbeteiligung der Stadt entwickelt. 

Das Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035 koordiniert die Klimaschutz-Aktivitäten innerhalb der Verwaltung. Die Umsetzung dieses komplexen Querschnittsthemas ist in zahlreichen Fachbereichen der Verwaltung und der Beteiligungsgesellschaften verortet.

Die Schwerpunktmaßnahmen im Klimaschutz sind:

Treibhausgas-Monitoring

Seit 2008 betreibt die Stadt Bonn ein differenziertes Treibhausgas-Monitoring. Die aktuelle Bilanz zeigt, dass der CO2-Ausstoß bis 2018 im Vergleich zum Jahr 1990 um 33 Prozent pro Kopf gesunken ist. Damit liegen die CO2-Emission der Bonnerinnen und Bonner noch bei jährlich 6,4 Tonnen pro Einwohner*in.

Energieeffiziente Neubauten

Seit 1997 stellt die Stadt Bonn erhöhte Anforderungen - im Vergleich zum gesetzlichen Standard - an die Energieeffizienz von Neubauten. Sie werden beim Verkauf städtischer Grundstücke und in Verträgen mit Investoren verbindlich und überprüfbar vereinbart. Derzeitiger Standard ist das Effizienzhaus55. Bei größeren Bauvorhaben werden Energiekonzepte unter Berücksichtigung erneuerbarer Energien erstellt.

Für städtische Gebäude, insbesondere für Schulen und Kindertagesstätten, geht die Stadt noch einen Schritt weiter. Hier gilt grundsätzlich der Effizienzgebäudestandard 55 mit Passivhauskomponenten mit dem Ziel eines sehr niedrigen Energiebedarfs.

Energetische Altbausanierung

Ein großer Hebel zur CO2-Einsparung liegt im Altbaubereich. Nicht energetisch sanierte Altbauten verbrauchen ein Vielfaches an Energie gegenüber einem Gebäude nach Neubaustandard. Zur Erschließung dieses Potenzials ist seit 2012 die Bonner Energie-Agentur aktiv, die von der Stadt Bonn gemeinsam mit 20 Organisationen gegründet wurde. Sie bündelt die Expertise von Energieberaterinnen und Energieberatern, Planerinnen und Planern sowie des spezialisierten Handwerks für eine qualifizierte Beratung.

Ausbau der Erneuerbaren Energien

Neben der Geothermie liegt in Bonn das größte Potential Erneuerbarer Energien in der Sonnenenergie. Beratung hierzu bietet ebenfalls die Bonner Energie Agentur an. Mit einem Förderprogramm für Photovoltaik setzt die Stadt Anreize zum weiteren Ausbau. Auch auf städtischen Dächern werden weitere PV-Anlagen installiert.

Mit dem Online-Solardachkataster können sich Bonnerinnen und Bonner vorab darüber informieren, ob auf ihrem Haus eine Photovoltaikanlage oder eine solarthermische Anlage installiert werden kann.

Als erste Stadt in NRW hat die Stadt die Installation von Photovoltaikanlagen bei bestimmten Neubauvorhaben zur Pflicht gemacht. Die Solarpflicht gilt für alle Vorhaben, bei denen die Stadt städtebauliche Verträge mit Investor*innen und Eigentümer*innen abschließt. Auch bei städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen und beim Verkauf städtischer Grundstücke müssen PV-Anlagen auf Neubauten errichtet werden.

Anpassung an den Klimawandel

In der Klimaanpassung verfolgt die Stadt Bonn das Ziel, sich kontinuierlich zu einer klimaresilienten Stadt zu entwickeln.

Nachdem sich die Stadt Bonn von 2016-2019 am vom BMBF-geförderten Projekt „ZURES“ beteiligt hatte – in welchem u.a. eine gesamtstädtische Klimaanalyse und Planungshinweiskarte entstanden sind – startete im Juni 2021 ein sich daran anschließendes, durch das BMU gefördertes Projekt namens „mutabor“. Ziel dieses bis 2023 laufenden Projektes ist es eine gesamtstädtische Strategie zur Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Als Grundlage hierzu sollen Szenarien für das Jahr 2035 dienen, denen unterschiedlich ambitionierte Anpassungsaktivitäten zu Grunde liegen und damit die erreichbaren Effekte aufzeigen.

Die Stadt Bonn beabsichtigt sich zudem mit Blick auf zunehmende Hitze- und Dürreperioden einerseits und Starkregenereignisse andererseits im Sinne einer Schwammstadt weiterzuentwickeln. Damit einher geht das Ziel Regenwasser nach Möglichkeit lokal zu versickern, zu verdunsten, zu speichern oder zu nutzen und damit im natürlichen Wasserkreislauf zu belassen.

Zudem setzt die Stadt Bonn durch Förderprogramme finanzielle Anreize in Form von Zuschüssen zu Dach- und Fassadenbegrünungen sowie zur Entsiegelung und Begrünung von Flächen. Daneben besteht die Möglichkeit den Teil der Niederschlagswassergebühr der gesplitteten Abwassergebühr zu ermäßigen, wenn Flächen begrünt und vom Kanal abgekoppelt werden.

Starkregen/Hochwasservorsorge

Die Stadt Bonn nimmt zahlreiche Projekte zur Klimaanpassung der Infrastruktur hinsichtlich der Starkregen- und Hochwasservorsorge in Angriff. Seit dem ersten Extremereignis der jüngeren Vergangenheit im Jahr 2010 wurde neben der Mitwirkung in Forschungsprojekten (z.B. gemeinsam mit dem DIFU) ein ganzes Maßnahmenpaket zur Klimaanpassung der Stadt initiiert. Ein Warnsystem vor Bachhochwässern wurde aufgebaut undwird kontinuierlich weiterentwickelt, ebenso wie umfangreiche bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Operative Abläufe wurden optimiert und den Bürger*innen umfangreiche Informationen zur Eigenvorsorge zur Verfügung gestellt. Auch in der Stadtentwicklung, bei neuen Baugebieten und selbst bei vorhandenen Siedlungsbereichen, spielt die Starkregen-Resilienz inzwischen eine tragende Rolle.

Mobilität

Der Anteil des Verkehrs auf Bonner Stadtgebiet an den Gesamt-Treibhausgas-Emissionen lag im Jahr 2018 bei 26,8 Prozent. Das Handlungsfeld Mobilität ist daher ein zentraler Baustein, um die Klimaneutralität in Bonn zu erreichen. In Anbetracht der wachsenden Bevölkerung in Bonn müssen zudem Lösungsansätze für das vom Autoverkehr belastete Straßennetz der Stadt Bonn erarbeitet und umgesetzt werden.

Die Verkehrsmittel des Umweltverbundes (Zufußgehen, Radfahren und der öffentliche Verkehr) sind besonders raum- und energieeffizient und verursachen geringe Emissionen. Der Stadtrat hat deshalb 2019 beschlossen, dass der Modal Split, also der Anteil des Umweltverbundes am Verkehrsaufkommen, bis 2030 auf 75 Prozent erhöht werden soll. Die Stadt Bonn fördert deshalb mit verschiedenen Maßnahmen den Umstieg auf umweltverträgliche Verkehrsmittel. 

Die angestrebte Mobilitätswende verfolgt das Ziel, neben klimaverträglichen Verkehr auch bedarfsgerechte und bezahlbare Angebote bereitzustellen, um umfassende und nachhaltige Mobilität für alle Menschen zu ermöglichen. Die Mobilität von morgen soll inklusiv und barrierefrei sein und soziale Teilhabe fördern. Sie soll zuverlässig und krisenfest sein. Sie zielt ab auf die Minderung von Lärm, die Reduzierung von Luftschadstoffen und die Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr. 

Neben der Bereitstellung von Mobilitätsangeboten sollen städtische Räume auch wieder mehr Orte zum Verweilen und Begegnen sein und eine hohe Klima-Resilienz aufweisen. 

Mit der Parkraumstrategie für das gesamte Stadtgebiet hat die Bundesstadt Bonn im Februar 2022 Leitlinien beschlossen, wie zukünftig Parkraum in der Stadt gemanagt werden soll. Ziel ist eine quartiersweise Umsetzung von Parkraumregelungen, insbesondere die Einführung von Bewohnerparkzonen oder Parkgebühren mit Sonderregelungen für Bewohner*innen, um den Parkdruck für die Anwohner*innen sowie Parksuchverkehre zu reduzieren. Freiwerdende Flächen sollen für alternative Mobilitätsangebote, Begrünung sowie kulturelle oder gastronomische Zwecke genutzt werden. So sollen die Quartiere vitalisiert werden und unter Beteiligung der Bonnerinnen und Bonner mehr Lebensqualität in den Vierteln entstehen.

Mit der Annahme des Radentscheids Bonn im Februar 2021 hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, den Rad- und Fußverkehr zu stärken, indem unter anderem ein sicheres und barrierefreies durchgängiges Rad- und Fußwegenetz geschaffen wird. Die Ziele enthalten auch den Umbau von Kreuzungen und Einmündungen und die Schaffung neuer Fahrradparkplätze.

Durch den Ausbau der Infrastruktur wird das Radfahren attraktiver und der Anteil der Fahrradfahrten erhöht. Neben der Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr, der Einrichtung von Fahrradstreifen und dem kontinuierlichen Ausbau von Fahrradabstellanlagen in den Stadtbezirken sowie an den Haltstellen des Öffentlichen Nahverkehrs wurden bisher mehr als 50 Fahrradstraßen eingerichtet. 

Die Hauptrouten des Radverkehrs wurden mit einer Knotenpunkt-Wegweisung versehen, die über den Radroutenplaner des Landes zur Planung von Fahrten genutzt werden kann. Im Jahr 2018 ist die neue Radstation am Hauptbahnhof eröffnet worden, die mit einem automatischen Zugang einen 24-Stunden-Service bietet. Das neue Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof ist Ende des Jahres 2020 eröffnet worden. Seit Herbst 2018 gibt es ein Fahrradmietsystem. Dieses soll im Jahr 2022 im Innenstadtbereich durch einen Lastenrad-Verleih ergänzt werden. Im Rahmen eines Förderprojekts baut die Stadt Radwege zu Radschnellrouten aus und richtet Mobilstationen in der Innenstadt ein. 

 

Außerdem setzt die Stadt Bonn auf Elektromobilität: In den letzten Jahren ist im städtischen Fuhrpark mit dem schrittweisen Umstieg auf elektrische Antriebe begonnen worden. Im vierten Quartal 2022 sollen bei der Stadt Bonn 115 Elektro-Fahrzeuge (Pkw, Lkw und Sonderfahrzeuge) im Einsatz sein. Gemeinsam mit dem Projektteam „Jobwärts“ wurden die städtischen Ambitionen und Ziele für die nächsten Jahre definiert. Danach soll bis Ende 2024 die gesamte Dienstwagenflotte (Pkw-Klasse), soweit einsatztechnisch möglich, auf E-Mobilität umgestellt werden. Außerdem sollen bis Ende 2025 die alternativen Pendlerfahrten erhöht werden und die Zertifizierung der Stadt Bonn als „Fahrradfreundliche Arbeitgeberin“ durch den ADFC angestrebt werden.

Die Stadt Bonn verfügt im Vergleich zu anderen Städten ihrer Größenordnung über eines der dichtesten ÖPNV-Netze in Deutschland. Die Stadtwerke Bonn bieten mit Stadtbahn, Straßenbahn, Bussen und einem Fahrradmietsystem gleich vier verschiedene Verkehrsmittel an. Das ÖPNV-Netz wird kontinuierlich an den steigenden Bedarf angepasst, das Fahrplanangebot immer weiter verdichtet. Die Stadt erarbeitet außerdem laufend Vorschläge zur Beschleunigung des Bus- und Bahnverkehrs z.B. durch Optimierung von Lichtsignalanlagen oder der Beseitigung von Engstellen.

Eine weitere Ergänzung des Bonner ÖPNV-Netzes könnte zukünftig auch eine Seilbahn sein. Die durchgeführte Standardisierte Bewertung kam im Jahr 2021 zu dem Ergebnis, dass eine Seilbahn als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs in Bonn volkswirtschaftlich sinnvoll und damit förderwürdig für Bund und Land ist. Die Stadt befindet sich nun in den Vorbereitungen für ein Planfeststellungsverfahren.

Auch CarSharing ist ein Baustein für die Mobilitätswende in Bonn. CarSharing kann den Kfz-Verkehr sowie den Parkraumbedarf reduzieren. Im Jahr 2022 sollen ca. 100 CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Raum, verteilt über das Stadtgebiet, ausgeschrieben werden. Dabei wird die Umstellung des CarSharing auf Elektromobilität gleich mitberücksichtigt.

Auch das regionale Eisenbahnnetz wird stetig ausgebaut. So kamen in den letzten Jahren mehrere neue Haltepunkte hinzu, wie z. B. der Haltepunkt „Bonn UN Campus“. Auf der rechten Rheinseite wird zurzeit am Bau zusätzlicher Gleise für die Verlängerung der S-Bahnlinie 13 von Troisdorf über Beuel bis Bonn-Oberkassel gearbeitet. Die Stadt Bonn setzt sich für einen weiteren Ausbau der Strecken und Elektrifizierung der S 23 ein.

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