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Bundesstadt Bonn

Frühwarnsystem misst Sauerstoffgehalt im Rheinauensee

Die Stadt Bonn hat im Rheinauensee ein Frühwarnsystem zur Überwachung des Sauerstoffgehalts installieren lassen. Damit kann die Stadt in den kommenden Sommermonaten frühzeitig reagieren, wenn sich bei heißen Temperaturen und starkem Algenwachstum ein Sauerstoffmangel im Wasser bemerkbar macht. Zwischenzeitlich liegt zudem das beauftragte Gutachten als Grundlage für eine Sanierung des Sees vor. Darüber informiert die Stadt in einer Stellungnahme für den Umweltausschuss am Mittwoch, 20. Mai 2020.

Anfang Mai wurde zunächst ein Messgerät am nördlichen Ende des Sees installiert. Der Betrieb befindet sich derzeit in der Testphase. Geplant sind zwei weitere Messgeräte am südlichen Ende und in der Mitte des Sees. Das System warnt bei anhaltendem Sauerstoffmangel im Wasser und über dem Sediment am Grund des Sees, so dass rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden können, etwa indem das Wasser mithilfe leistungsfähiger Pumpen umgewälzt wird.

Es handelt sich dabei um eine der Erstmaßnahmen, um die Situation der Fische und Wasservögel zu verbessern. Sauerstoffmangel im Wasser gilt als Voraussetzung für die Entstehung von Botulismus, was 2018 als Todesursache bei sechs Wasservögeln im Rheinauensee nachgewiesen wurde.  

Weitere Direktmaßnahmen zur Verbesserung der Situation im Rheinauensee hat die Stadt in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt: Um den Bestand der Wasservögel zu regulieren und damit den Koteintrag zu minimieren, wurden Margeriten am Ufer gesät. Die Pflanzen sind geeignet, Wasservögel zu verdrängen. Am Ufer wird außerdem seltener gemäht, da Gänse kurzen Rasen und freien Zugang zum Wasser bevorzugen. Für Wasservögel und Nutrias gilt seit vergangenem Jahr zudem ein Fütterungsverbot.

Das Wasser im See wird permanent ausgetauscht, indem Kühlwasser aus dem Posttower in den See eingeleitet und anschließend in den Rhein abgeleitet wird. Mithilfe von Mähbooten wurde in den vergangen zwei Jahren insgesamt dreimal der Algenbewuchs im See entfernt.

Phosphor ist Hauptursache für mangelnde Wasserqualität

Im Frühjahr 2019 hatte die Stadt das Fachbüro „lanaplan“ aus Nettetal mit umfassenden Untersuchungen beauftragt, auf deren Basis ein Sanierungskonzept erstellt werden soll. Dafür wurden von März bis September 2019 Werte zu verschiedenen Parametern ermittelt, darunter zum Beispiel Wassertemperatur, Sauerstoff- und Phosphorgehalt. Nach Auswertung der Daten liegt zwischenzeitlich das Gutachten vor.

Demnach ist der hohe Phosphorgehalt der Hauptgrund für die schlechte Wasserqualität. Ursachen dafür sind einerseits das Sediment, welches Phosphor freisetzt, andererseits die Zuflüsse, welche einen hohen Phosphorgehalt aufweisen. Zu den Zuflüssen wurden deswegen weitergehende Untersuchungen beauftragt, damit mögliche Maßnahmen zur Reduzierung des Phosphors definiert werden können.

Die Gutachter empfehlen neben dem Einsatz von Belüftungsgeräten den standortangepassten Einsatz von Ultraschall zur Bekämpfung von Blaualgen (Cyanobakterien). Die hierfür notwendigen Voruntersuchungen sollen noch im Mai beauftragt werden. In den Randbereichen des Sees sollte nach Einschätzung der Gutachter zudem Sandvlies ausgelegt werden, um die Phosphorfreisetzung aus dem Sediment zu reduzieren.

Gutachten empfiehlt Sedimententfernung für 2021

Für das Jahr 2021 empfiehlt das Gutachten eine vollständige Entschlammung des Sees. Diese aufwendige Sanierungsmaßnahme stellt die beste Möglichkeit dar, das Wasser langfristig in einem stabilen nährstoffarmen Gleichgewicht zu halten. Eine Sanierung würde je nach Schadstoffgehalt des Schlammes nach einer Schätzung des Gutachters zwischen 3,76 Millionen und 4,22 Millionen Euro kosten. Entsprechende Mittel sind für den Haushalt 2021/22 angemeldet.

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