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Bundesstadt Bonn

Mikroorganismen bereiten Sanierung des Rheinauensees vor

Die Stadt Bonn hat am Montag, 15. März 2021, damit begonnen, die Sanierung des Rheinauensees vorzubereiten: Dafür werden Mikroorganismen, welche Sediment am Grund abbauen, in den See eingebracht. Dies soll die hohen Kosten für die Entsorgung des Schlamms senken, wenn der Rheinauensee im kommenden Winter ausgebaggert und saniert wird.

Zum Einsatz kommen 2.500 Liter Mikroben-Cocktail und zusätzlich 250 Liter reine Fotosynthese-Bakterien der Firma Emiko. Es werden ausschließlich in der freien Natur vorkommende Organismen, die für Menschen und Tiere völlig unbedenklich sind, in den See eingebracht. Das Projekt basiert auf einem erprobten Verfahren, welches in mehr als 100 Ländern seit über 20 Jahren funktioniert und zu 100 Prozent biologisch und damit sehr verträglich für Flora und Fauna ist. In der Region wurde das Verfahren zum Beispiel bereits im Vogelpark Troisdorf erfolgreich angewendet.

Die Mikroorganismen bauen die im Sediment vorhandenen Schadstoffe ab. In diesen sonst sehr sauerstoffarmen Bereichen steigt dabei der Sauerstoffgehalt, so dass die Fäulnis beseitigt wird. Die Sedimentschicht am Grund des Sees wird zudem deutlich reduziert.

Der Gewässerdienst Beiten bringt die Mischung aus Mikroorganismen von einem kleinen Boot aus direkt in das Sediment am Grund des Sees ein. „So gelangen sie unmittelbar dorthin, wo sie ihre Aufgabe verrichten, im Sediment des Rheinauensees“, erklärt Anette Mannschott, Projektleiterin bei Emiko. Im Fachjargon nennt sich dieses Verfahren „Beimpfung“.

Wie bei einer echten Impfung kann es erfahrungsgemäß auch bei diesem Verfahren zu einer Erstreaktion kommen. Der Zustand des Sees kann sich kurzzeitig verschlechtern, was eventuell auch optisch wahrzunehmen ist. Möglich wäre etwa, dass sich das Wasser kurzzeitig eintrübt. Dies geht jedoch bereits nach einigen Tagen vorüber. 

Zwei Tage dauert die Beimpfung des Rheinauensees zunächst. Der Einsatz der Mikroorganismen und ihre Wirkung werden weiterhin analytisch überwacht.

Verfahren soll Kosten für Schlammentsorgung senken

Nach zweijähriger Untersuchung und darauf aufbauendem Gutachten ist die nachhaltige Sanierung des Rheinauensees für den Winter 2021/22 fest eingeplant. Dafür muss das 15 Hektar große Binnengewässer vollständig entschlammt werden. Die Kosten werden aktuell auf 4,3 Millionen Euro geschätzt. Fördermittel in Höhe von 1,29 Millionen Euro sind beantragt. Der Großteil der Kosten entsteht durch das Ausbaggern und Teiltrocknen des Schlamms sowie vor allem dessen Entsorgung.

„Der Einsatz der Mirkoorganismen ist aktuell nur eine Symptombekämpfung, denn die Ursache für den aktuellen Zustand des Sees – der hohe Phosphorgehalt – wird dadurch nicht beseitigt. Das Verfahren ist allerdings dazu geeignet, die Schlammauflage deutlich zu reduzieren. Somit wird die Maßnahme die Kosten von 30.000 Euro nicht nur amortisieren, sondern zu einer spürbaren Reduzierung der Sanierungskosten beitragen“, erklärt Dieter Fuchs, Leiter des Bereichs Stadtgrün bei der Stadt Bonn. 

Laut Gutachten ist der hohe Phosphorgehalt der Hauptgrund für die schlechte Wasserqualität im Rheinauensee. Ursache hierfür sind einerseits die Ablagerungen am Grund des Sees, welche Phosphor freisetzen, andererseits die aus Rheinuferfiltrat gespeisten Zuflüsse, welche einen hohen Phosphorgehalt aufweisen. Für eine nachhaltige Sanierung ist neben der Entschlammung deswegen auch die Installation einer technischen Anlage, welche das Phosphat aus dem Wasser löst, erforderlich.

Wasservögel dürfen nicht gefüttert werden

Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich der Zustand des Sees in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Gravierend wirkt die hohe Population der Wasservögel: Durch Füttern vermehren sich die Tiere unnatürlich stark. Vogelkot und Futterreste landen im Wasser und verfaulen am Grund des Sees. „Das zumeist gut gemeinte Füttern schadet den Vögeln somit und ist nicht im Sinne des Tierschutzes!“, betont Fuchs. 

Auch in der Rheinaue gilt deswegen das stadtweite Fütterungsverbot. Vor Ort machen Schilder auf das Verbot aufmerksam und klären über die fatalen Folgen der Fütterung auf. „Auch nach der Seesanierung ist es wichtig, dass die Tiere nicht gefüttert werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der Kreislauf erneut in Gang gesetzt wird“, so Fuchs.

Aktuell überwachen Sensoren die Wasserwerte, sodass bei einem zu geringen Sauerstoffgehalt Pumpen in Betrieb genommen werden können, welche das Wasser mit dem notwendigen Sauerstoff versorgen. Zusätzlich ist in den Sommermonaten ein Mähboot im Einsatz.

Weitere Informationen zum Rheinauensee gibt es unter  www.bonn.de/rheinauensee (Öffnet in einem neuen Tab)

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Bildnachweise

  • Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn

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