Inhalt anspringen

Bundesstadt Bonn

Mit Fachwissen, Erfahrung und Leidenschaft im Einsatz für die Bonner Bäume

Die Stadt trägt die Verantwortung für die vielen Bäume in öffentlichen Grünanlagen, auf Friedhöfen, entlang von Straßen und Verkehrswegen. Um dieser Verantwortung nachzukommen, müssen die Stadtbäume regelmäßig gepflegt werden. Zur Baumpflege gehören unter anderem Baumkontrollen, Baumschnitte und die Pflege der Baumstandorte. Entscheidend sind dabei die Gesundheit des Baumes und die Verkehrssicherheit.

Baumkontrolleurin Donia Al Shomer vom Amt für Umwelt und Stadtgrün prüft einen Baum auf dem Alten Friedhof.

Wie genau die Baumkontrollen bei der Stadt Bonn organisiert werden, darüber informierten Dieter Fuchs und Rolf Dung vom Amt für Umwelt und Stadtgrün gemeinsam mit der Baumkontrolleurin Donia Al Shomer bei einem Pressetermin auf dem Alten Friedhof. „Gerade in Zeiten der Klimakrise, welche für viele Bäume puren Stress bedeutet, sind Baumkontrollen wichtiger denn je. Unser Team zertifizierter Baumkontrolleur*innen ist das ganze Jahr über im Einsatz, damit die Stadtbäume die beste Pflege erhalten und uns so lange wie möglich erhalten bleiben. Dafür ist viel Fachwissen, Erfahrung und ein großes Interesse für Bäume gefragt. Der Stadt und ganz besonders den verantwortlichen Mitarbeitenden im Amt für Umwelt und Stadtgrün liegt jeder einzelne ihrer grünen Schützlinge sehr am Herzen“, betont Dieter Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtgrün der Stadt Bonn. 

Aufgabe von zertifizierten Baumkontrolleur*innen ist es, die Verkehrssicherheit von Bäumen fachlich zu beurteilen und entsprechende Pflegemaßnahmen festzulegen. In Bonn besteht das Team aus fünf Mitarbeitenden, die sich nach einer Gärtner*innen- oder Forstwirt*innen-Ausbildung weiterqualifiziert haben. Zu jeder Jahreszeit sind die Fachleute im gesamten Stadtgebiet unterwegs und begutachten die 100.000 städtischen Bäume in der Verantwortung des Amtes für Umwelt und Stadtgrün.

Ein digitales Baumkataster hilft, den Überblick zu behalten. Mit einem Tablet ausgerüstet können die Baumkontrolleur*innen schon unterwegs ihre Beobachtungen eintragen und Pflegemaßnahmen empfehlen. Sobald die Baumpfleger*innen die Maßnahmen umgesetzt haben, wird auch das im Kataster vermerkt. Ein praktischer Weg der internen Kommunikation: Alle Beteiligten bleiben so auf dem Laufenden über den Zustand ihrer grünen Schützlinge. 

Im Bonner Stadtplan können die Bürger*innen einen Teil des Baumkatasters sowie weitere interessante Geodaten über Bonn selbst erkunden:  stadtplan.bonn.de (Öffnet in einem neuen Tab).

Jeder Baum zu jeder Jahreszeit

Jeder einzelne der städtischen Bäume wird regelmäßig in einem Abstand von 15 Monaten begutachtet. So können alle Bäume mal im Sommer, mal im Winter in Augenschein genommen werden. Jeder Baum wird nach einem vorgegebenen Schema geprüft und sein Gesamtzustand nach dem Schulnotensystem erfasst.

Viele verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle: Sieht der Baum insgesamt vital und gesund aus? Gibt es Totholz? Ist er gerade gewachsen oder hat sich die Krone einseitig entwickelt? Gibt es Verletzungen der Rinde? Sind Anzeichen für Erkrankungen oder Schädlinge zu erkennen? Ein geschultes Auge ist hier enorm wichtig, denn einige Baumkrankheiten und Schädlinge bleiben lange nahezu unsichtbar und sind für Laien kaum zu identifizieren.

Prüfen, abwägen, nochmal prüfen

Welche Maßnahme nötig ist, ist immer eine Abwägungsfrage und hängt vom Zustand des Baumes, von der Baumart und von seinem Standort ab. Dort, wo sich viele Menschen aufhalten, ist die Verkehrssicherheit von höchster Priorität. Abgestorbene Äste müssen hier zügig entfernt werden, bevor sie runterfallen und Schäden verursachen. Steht der Baum weit weg von Wegen in einer Brombeerhecke, dann kann das ökologisch wertvolle Totholz auch mal liegen bleiben. Der Baum bleibt als sogenannter „Habitatbaum“ erhalten und bietet Insekten, Vögeln und anderen Tieren einen Lebensraum.

Manche Baumarten verlieren bei Schwächung schnell ihre Standfestigkeit. Andere stellen auch mit viel Totholz keine Gefahr dar. In manchen Fällen ist eine zusätzliche Baumbegutachtung nötig. Zum Beispiel, wenn eine Pilzart nicht eindeutig bestimmt werden kann oder die Baumkrone von einer Hubarbeitsbühne aus genauer in Augenschein genommen werden muss. Schlagen Baumkontrolleur*innen eine Fällung vor, wird der Baum zusätzlich durch zwei weitere fachkundige Mitarbeitende des Amtes für Umwelt und Stadtgrün begutachtet. Denn sechs Augen sehen bekanntlich mehr als zwei!

Pflegemaßnahmen

Totholz entfernen: Als Totholz werden Äste in der Baumkrone bezeichnet, die bereits abgestorben und eingetrocknet sind. Je nach Baumart können diese ein Sicherheitsrisiko darstellen, da sie jederzeit herunterfallen und Schaden anrichten könnten. Die Verkehrssicherheit ist jedoch das oberste Gebot in der Stadt – besonders dort, wo viele Menschen unterwegs sind. Hier muss Totholz in der Regel zügig entfernt werden.

Lichtraumprofil freischneiden: An Straßen müssen die Anforderungen des Lichtraumprofils erfüllt werden. Das Lichtraumprofil ist der Bereich, der freigehalten werden muss, damit alle Verkehrsteilnehmer*innen die entsprechenden Wege nutzen können. In der Regel sollten über Gehwegen 2,25 Meter, über Radwegen 2,5 Meter und über der Fahrbahn 4,5 Meter Luftraum freigehalten werden. Auch die Sichtbarkeit von Signalanlagen und Straßenschildern muss immer gewährleistet werden. Deswegen müssen Kronen, die in den Straßenraum ragen, regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Erziehungsschnitt: Junge Bäume an Straßen und Verkehrswegen können durch Erziehungsschnitte in Form gebracht werden. Wird schon frühzeitig dafür gesorgt, dass der Baum einen hohen Kronenansatz ausbildet und gerade wächst, dann können die späteren Rückschnitte reduziert werden. Auf lange Sicht wird der Baum so geschont.

Kronensicherung: Bei älteren Bäumen kann es sein, dass die Krone auseinanderzubrechen droht oder bereits Risse und Verletzungen aufzeigt. Um den Baum zu stabilisieren, kann die Krone mit Seilen gesichert werden. Der Baum kann dann länger erhalten und die Verkehrssicherheit gewährleistet werden.

Pflanzenschutz: Schädlinge und Krankheiten können Bäumen schwer zusetzen. Je nach Krankheit können Maßnahmen ergriffen werden, um den Befall einzudämmen. Hier kann ein Rückschnitt von betroffenen Ästen oder die mechanische Entfernung von Schaderregern helfen. Chemischer Pflanzenschutz kommt in der Baumpflege grundsätzlich nicht infrage. 

Baumfällungen: Grundsätzlich gilt: Baumschutz, Baumpflege und Baumerhalt gehen immer vor! Dennoch kann aus verschiedenen Gründen eine Baumfällung notwendig werden. Jede Baumfällung ist dabei eine Einzelfallentscheidung und wird erst nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung im Sechs-Augen-Prinzip getroffen. Niemals ist die Baumfällung eine leichtfertig getroffene Entscheidung. 

Ein umfangreiches Informationsangebot rund um das Thema Bäume gibt es unter  www.bonn.de/stadtbaeume (Öffnet in einem neuen Tab).

Merken & teilen

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Sascha Engst/Bundesstadt Bonn