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Bundesstadt Bonn

Ukrainische Geflüchtete: Stadt benötigt vorübergehend mehr Personal

Knapp 3.300 Menschen, die vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine geflohen sind, haben sich bereits in der Bundesstadt Bonn angemeldet (Stand: Freitag, 22. April). Um die Herausforderungen in der Unterbringung, Betreuung und Unterstützung der Geflüchteten meistern zu können, benötigt die Stadtverwaltung vorübergehend zusätzliches Personal.

Daher soll der Rat am 5. Mai – nach Beratung im Hauptausschuss am 28. April – der vorübergehenden Einrichtung und Besetzung von bis zu 80 Stellen zustimmen. Alle Stellen sollen im Sinne eines Vorratsbeschlusses nur besetzt werden, wenn die Zuzugszahlen es erfordern und mögliche Dritte, wie beispielsweise Hilfsorganisationen, die Aufgaben nicht übernehmen können. Alle Stellen werden mit einem k.W.-Vermerk (= „künftig wegfallend“) versehen, welcher jeweils mit Freiwerden der Stelle unter Bewertung der aktuellen Situation ausgelöst wird. 

„Der hohe zusätzliche Personalbedarf kann nicht mehr -wie bisher- vorwiegend aus verwaltungseigenen Kapazitäten kompensiert werden. Denn: Trotz Umverteilung personeller Ressourcen stößt die Stadtverwaltung mit diesem Ansatz inzwischen an ihre Grenzen“, erläutert Personaldezernent Stadtdirektor Wolfgang Fuchs. „Wir benötigen daher gesamtstädtisch personelle Unterstützung für die derzeit besonders dringlichen Aufgaben zur Unterstützung der Geflüchteten. Die Inanspruchnahme der Stellen wird unter Berücksichtigung der Haushaltslage restriktiv erfolgen.“

Konkret geht es um bis zu 20 Vollzeitäquivalente (VZÄ) an Verwaltungskräften, 46 VZÄ an Sozialarbeitenden sowie 14 VZÄ an Hausmeister*innen. Bei einer Besetzung der Stellen ab 1. Juni sollen die Personalaufwendungen in Höhe von bis zu knapp 3,2 Millionen Euro im Haushaltsjahr 2022 überplanmäßig bereitgestellt werden. Darüber hinaus hat das Städtische Gebäudemanagement einen zusätzlichen Personalbedarf u.a. für die Akquise von Unterbringungsmöglichkeiten. 19 Stellen sollen über den Wirtschaftsplan des SGB eingerichtet werden.

Vielfältige Aufgaben

Im Gegensatz zur Flüchtlingskrise 2015/2016 erreichen die Geflüchteten ungesteuert Bonn, d.h. ohne Ankündigung durch das Land. Dass die Menschen aus der Ukraine bis zu 90 Tage visumfrei nach Deutschland einreisen können, macht den Zuzug unberechenbar. Daher müssen Kapazitäten für erheblichen Zuzug vorgehalten und ausgestattet werden. Die Erfassung der Daten und die Versorgung mit Unterkünften erfolgt ohne jedwede Vorarbeit und gestaltet sich auch aufgrund der Sprachbarriere aufwendig und schwierig. 

Die bestehenden Unterkünfte sind ausgelastet, dennoch muss die Versorgung der Geflüchteten in Hotels und Notunterkünften gewährleistet sein, auch weit über das Stadtgebiet verteilt. Die Geflüchteten sind überwiegend Frauen und Kinder, anders als 2015/2016 mit überwiegend allein reisenden jungen Männern. Ihre Betreuung ist umfangreicher und erfordert äußerste Sensibilität. Die Anforderungen an Sammelunterkünfte sind höher. Dies erschwert die Akquise und Verwaltung sowie das Belegungsmanagement der (Sammel-) Unterkünfte. 

Aufgrund dieser Situation entsteht aktuell ein hoher personeller Mehrbedarf u.a. im sozialen Dienst. Die städtische Hotline und die Vermittlung von privaten Wohnraumangeboten sind neu, zeitaufwendig und mit entsprechendem Personalbedarf verbunden. Aufgrund der fehlenden Datenübermittlung durch das Land und den unterschiedlichen Unterbringungsmodellen entsteht ein hoher Aufwand in den Verwaltungseinheiten der Melde- und Ausländerbehörde sowie der leistungsgewährenden Stellen. 

Die Beschlussvorlage ist  hier (Öffnet in einem neuen Tab) veröffentlicht.

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