Inhalt anspringen

Bundesstadt Bonn

Bauprojekt Viktoriabrücke: Stadt erläutert Kostenentwicklung

In einem Bericht für die Sitzung des Bau- und Vergabeausschuss am 13. Juni 2019 erläutert das Tiefbauamt der Stadt Bonn die aktuelle Kostenentwicklung beim Bauprojekt Viktoriabrücke. Nach derzeitigem Stand werden die voraussichtlichen Kosten für die gesamte Maßnahme - Erneuerung der Viktoriabrücke, Neubau der Verbindungsrampe zur Thomastraße, Fußgänger- und Fahrradunterführung sowie Kreisverkehr am Alten Friedhof - zirka 45 Millionen Euro betragen.

Das bedeutet eine ganz erhebliche Abweichung gegenüber den Gesamtkosten von rund 25 Millionen Euro, die ein externes Büro im Jahr 2012 in einer ersten Kostenschätzung vorgelegt hatte.

Die Darstellung einer in großen Teilen belastbaren Kostenentwicklung ist erst zum jetzigen Zeitpunkt möglich, da mit dem Abschluss der Ausführungsplanung für die Brücke und der Entscheidung über die Gestaltung der Fußgänger- und Fahrradunterführung Ende 2018 sowie der Vergabe des Hauptauftrags zum Brückenneubau im März 2019 und dem Erreichen der Bau-Halbzeit jetzt verlässliche Grundlagen für einen Ausblick auf die voraussichtliche Kostenentwicklung vorliegen.

Gründe für die entstandenen Kostensteigerungen sind u.a. geänderte, gestalterische Vorgaben und zusätzliche vorab nicht absehbare Leistungen (z.B. Neubau der Rampenwände, Verlegung eines Stauraumkanals und nachträglich angemeldete Leistungen für die Deutsche Bahn) sowie die rasante Entwicklung der Baupreise in den vergangenen Jahren.

Zeitdruck durch DB-Sperrpausen

Aufgrund der in den Jahren 2006 und 2009 festgestellten erheblichen Schäden an der Viktoriabrücke bestand ein unmittelbarer Handlungszwang zu Abriss und Erneuerung der Brücke. Da die Brücke über eine der meist befahrenen Zugstrecken Europas verläuft, hatte die Stadt daher frühzeitig, die bereits Jahre im Voraus abzustimmenden Sperrpausen bei der Deutschen Bahn (DB) beantragt und erste Genehmigungen für 2016 erhalten.

Weil der ursprüngliche Entwurf von 2012 nicht zum Zuge kam und der Gestaltungsentwurf des Berliner Büros „Kolb/Ripke“ erst Mitte 2015 beschlossen wurde, die deutlich früher vereinbarten Sperrpausen aber erreicht werden mussten, hat das Tiefbauamt mit den ersten Maßnahmen – u.a. Abriss der Osthälfte – schon im Herbst 2016 beginnen müssen, obwohl die Planungen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen werden konnten und auch noch der Beschluss für die Gestaltung des Fuß- und Fahrradtunnels ausstand.

Planung und Bau mussten also in großen Teilen parallel erfolgen. Eine realistischere Aussage über die Kostenentwicklung ist daher erst jetzt möglich.

Abriss und Neubau der Brücke: die Kostenentwicklung

  • Der erfolgte halbseitige Rückbau des Überbaus war mit Schätzkosten von 700.000 Euro belegt. Tatsächlich wurde er aufgrund einiger, erst beim Abriss zu Tage tretender technischer Probleme mit 1,2 Millionen Euro abgerechnet.
  • Der ebenfalls abgeschlossene halbseitige Rückbau des Unterbaus musste wegen fehlender Angebote zum zweiten Mal mit Schätzkosten von rund 800.000 Euro ausgeschrieben werden, abgerechnet wurde er mit 780.000 Euro.
  • Während der Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass der unter der alten Rampenwand auf der Westseite gelegene, große Stauraumkanal die höheren Verkehrslasten des Brückenbauwerks nicht ableiten kann. Erforderliche Bohrpfahlgründungen bis unter die Kanalsohle wären technisch aufwendig und zudem unwirtschaftlich gewesen. Daher wird der Kanal derzeit verlegt und erneuert. Die Schätzkosten beliefen sich auf 702.000 Euro, einschließlich derzeit bekannter Mehrkosten wird die Kanalerneuerung rund 960.000 Euro kosten.
  • Die bestehenden Rampenwände müssen entgegen der ursprünglichen Planung ebenfalls erneuert werden. Dass die Bestandspläne fehlerhaft waren, war nicht zu erwarten und stellte sich erst beim Teilabbruch vorhandener Bauteile heraus.  Allein für den Abriss und Neubau waren 4,054 Millionen Euro geschätzt, das Mindestangebot liegt bei 4,1 Millionen Euro. Die Arbeiten laufen derzeit noch.
  • Die Ausführungsplanung für den Neubau der abgebrochenen Ostseite, den Abbruch der Westseite und den vollständigen Neubau der Brücke konnte aufgrund des geschilderten Zeitverzugs durch die gestalterische Planung erst Ende 2018 abgeschlossen werden. Diese Schätzkosten beliefen sich auf 18,53 Millionen Euro. Die Beauftragung nach europaweiter Ausschreibung ergab – bei nur zwei Angeboten - ein Mindestangebot von 20,8 Millionen Euro. Die Arbeiten haben im April begonnen.  
  • Weitere, erst im Verlauf des Projekts von der DB eingeforderte, nachträgliche Arbeiten an Fahrleitungen, Fahrleitungsmasten und Kabeltrassen verursachen Zusatzkosten von rund 700.000 Euro. Die Arbeiten sind noch im Gange.

Unter dem Strich ergibt sich somit allein für den Abriss und Neubau der Brücke derzeit ein Kostenstand von 28,54 Millionen Euro- Ursprünglich waren im Jahr 2012 rund 12,5 Millionen Euro geschätzt worden.

Ausblick

Die aktuelle Kostenschätzung von etwa 45 Millionen Euro ist mit weiteren Unwägbarkeiten verbunden. Für die Einzelprojekte Lichterhimmel, Rampe sowie Fußgänger- und Fahrradunterführung können derzeit nur Schätzkosten angegeben werden.

Der Lichterhimmel ist das markante Gestaltungselement aus dem Entwurf Kolb/Ripke. Für das Lichternetz mit einer Spannweite von rund 100 Metern werden aufwendige Tests im Windkanal durchgeführt, die erst in Kürze abgeschlossen werden können. Die Schätzkosten liegen bei 1,5 Millionen Euro, die Ausschreibung kann erst nach Beendigung der Tests erfolgen. Das externe Planungsbüro hatte 2015 hierfür Mehrkosten von 880.000 Euro prognostiziert.

Für die geplante Rampe zur Thomastraße und den neuen Fußgänger-/Radfahrtunnel am Alten Friedhof muss jetzt ein gemeinsames Planfeststellungsverfahren betrieben werden. Für die Rampe waren 7,1 Millionen Euro und für die Unterführung 2,8 Millionen Euro geschätzt worden. Nach dem erfolgten Gestaltungswettbewerb liegen die Schätzkosten für den Tunnel – der Variante „Im Fluss“ – gemäß der im Dezember 2018 beschlossenen Vorplanung nun schon bei 5,74 Millionen Euro.

Beide Schätzungen sind auch angesichts der erhitzten Marktlage nur bedingt belastbar, denn es müssen noch Ausführungsplanung und Ausschreibung erfolgen; Steigerungen sind daher noch möglich.

Bereits gebaut und abgerechnet ist der Kreisel am Alten Friedhof für rund 950.000 Euro. Geschätzt waren 2012 gemeinsam mit dem noch vorgesehenen Ausbau der Thomastraße 2,2 Millionen Euro.

Merken & teilen

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Repro: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • Otto Durst/Fotolia.com
  • Interpixels/Fotolia.com
  • Foto: © Thomas Söllner/Fotolia.com

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet. Mehr erfahren ...