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45 Prozent der Führungsjobs haben Frauen inne

„Bonn steht ausgezeichnet da – vor allem auch im interkommunalen Vergleich“, sagt Brigitte Rubarth, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bonn, „viel hat sich bewegt in den vergangenen Jahren. Der ‚Hälfte des Himmels‘ sind die Frauen Ende 2018 mit einem Anteil von 49,1 Prozent an den Positionen im höheren Dienst insgesamt deutlich nähergekommen.“

Das ist eines der Ergebnisse des Ende 2018 ausgelaufenen Frauenförderplans der Stadt Bonn, den Brigitte Rubarth am Dienstag, 11. Juni 2019, im Rahmen eines Pressegesprächs vorstellte. Zudem gab sie einen Ausblick auf den neuen Gleichstellungsplan 2019-2022.

Insgesamt liegt der Anteil der Frauen im städtischen Dienst bei 59,1 Prozent, das sind 3.293 Frauen im Vergleich zu 2.279 Männern. Sie stellen 49,1 Prozent im höheren Dienst (2015: 45,9%), 61,7 Prozent im gehobenen Dienst (2015: 59,1%) und 58,5 Prozent im mittleren Dienst (2015: 57,3%). 45 Prozent der Positionen mit Führungsverantwortung im höheren und gehobenen Dienst sind mit Frauen besetzt, Leitungsfunktionen in Kindertagesstätten sind hier nicht eingerechnet. Bei den Beamtenanwärterinnen und –anwärtern stellen Frauen 66%, bei Ausbildungsberufen sind es 41%.

Es hat sich allerdings in der Praxis gezeigt, dass bei insgesamt sehr gutem Abschneiden einige  Vorgaben dennoch nicht erfüllt werden konnten. Ein Grund ist, dass der Fachkräftemangel auch in der Verwaltung angekommen ist, und oft schlicht kaum Bewerbungen eingehen. Zudem orientieren sich Frauen bei der Wahl ihres Arbeitgebers verstärkt in der „freien Wirtschaft“ – diese Bewerberinnen fehlen der Stadt Bonn.   „Dass Frauen doch immer noch ausgebremst werden und nicht stärker vorankommen, liegt zum Beispiel im Arbeitsfeld Verwaltung auch an den  Mindestwartezeiten nach dem Laufbahnrecht und an der  Familienarbeit, die auch heute noch überwiegend auf Frauen lastet“, nennt Rubarth weitere Gründe.

So nahmen im Berichtszeitraum 2016 bis 2018 insgesamt 281 Frauen und 61 Männer Elternzeit in Anspruch, der überwiegende Teil der Männer für die Mindestlaufzeit von zwei  Monaten. „Hier wird auch deutlich, dass die Einkommensverteilung in den Familien noch immer meist sehr ungleich ist. Das zeigt sich auch bei der Teilzeit: 1373 Frauen standen am Stichtag lediglich 173 Männer gegenüber, die dieses Modell gewählt hatten. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen daher auch künftig  Teilzeittätigkeiten und Telearbeit gefördert werden.

Aus Frauenförderplan wird Gleichstellungsplan

Ab diesem Jahr wird aus dem Frauenförderplan der Gleichstellungsplan. Der Zeitraum wurde auf vier Jahre bis 2022 festgesetzt. Dies lässt mehr Zeit als bisher auch beamtenrechtliche Verzögerungen bei Beförderungen zu kompensieren, andererseits trägt es dem Faktum Rechnung, dass die neuen Vorgaben, die in mehreren Punkten bereits eine Parität von 50 % anstreben, gut in dem gewählten Zeitraum umsetzbar erscheinen.

Der neue Gleichstellungsplan greift größtenteils bisherige Bestimmungen des Frauenförderplans auf, die sich in der Vergangenheit gut bewährt haben, ist aber um neue rechtliche Bestimmungen ergänzt worden. Ein wichtiger Punkt ist beispielsweise die Sprache: alle öffentlichen Dienststellen sind verpflichtet, eine geschlechtergerechte Sprache nicht nur einzuhalten, sondern auch von anderen Institutionen, Organisationen, oder Vertragsparteien, die mit der Verwaltung kommunizieren, einzufordern. Noch einmal betont wird zudem die Verantwortlichkeit jeder einzelnen Person mit Vorgesetztenfunktion  - nicht nur der Gleichstellungsstelle und des Personalamtes - für die Umsetzung der Ziele.

Viele Neuerungen im Gesetz, wie etwa die Betrachtung der Frauenanteile in einzelnen Entgelt- und Besoldungsgruppen statt in Laufbahngruppen (mittlerer, gehobener und höherer Dienst), werden in Bonn bereits seit 20 Jahren so gehandhabt. „Das ergibt ein viel differenzierteres Bild darüber, wo Frauen noch Aufholbedarf haben und Hemmnisse angegangen werden müssen“, sagt Rubarth.

So werden die Stellen ab Besoldungs- bzw. Entgeltgruppe A12/E11 insgesamt quotiert, um deutlich zu machen, dass es nicht allein die Aufgabe der Ämter mit „typisch männlichen“ Berufen ist, die Gesamtziele nach LGG zu erreichen, sondern dass alle Personalverantwortlichen verpflichtet sind, dazu beizutragen. In der Besoldungsgruppe A 11 bzw. Entgeltgruppe E 10 sind lediglich die Stellen im Technischen Bereich quotiert.

Der Rat muss dem neuen Gleichstellungsplan 2019-2022 in seiner Sitzung am 4. Juli 2019 noch zustimmen.

Frauenförderung bei der Stadt Bonn

Mitte Oktober wurde 1984 die Gleichstellungsstelle in Bonn als vierte kommunale Stelle bundesweit eingerichtet. Dies war Ergebnis der Erkenntnis, dass veränderte Rechtsordnungen noch längst keine realen Änderungen bedeuten und erst aktive Arbeit und der Einsatz für die Gleichstellung zu Erfolgen führt.  Der Gleichstellungsplan hat, wie auch bislang der Frauenförderplan, das Ziel, das in der Verfassung verankerte Gleichstellungs- und Gleichbehandlungsgebot von Frauen und Männern zu verwirklichen, Benachteiligungen abzubauen und vorhandene Strukturen so zu verändern, dass Frauen mittelfristig in allen Funktionen und Einkommensbereichen paritätisch vertreten sind.

Bereits seit 1991, lange bevor das Land NRW das Landesgleichstellungsgesetz (1999) erlassen hat, nimmt sich die Stadt Bonn mit Frauenförderkonzepten selbst in die Pflicht. Frauenförderpläne mit zu erfüllenden Quoten stellte die Stadt seit 2001 mit einer jeweils dreijährigen Laufzeit auf.

Heute, fast 35 Jahre nach Brigitte Rubarths Dienstantritt, sind immer noch lange nicht alle Aufgaben erledigt. Auch wenn die Bilanz für die Stadt Bonn insgesamt positiv ausfällt, gibt es weiterhin einiges zu tun: „Viele Frauen neigen immer noch dazu, ihre eigenen Qualifikationen und Fähigkeiten zu unterschätzen – und viele Männer dazu, Familienarbeit als karrierehinderlich zu empfinden. Es wird also auch weiterhin ‚Bewusstseinsarbeit‘ nötig sein“, betont Brigitte Rubarth.

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  • Barbara Frommann
  • Bundesstadt Bonn

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