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Bundesstadt Bonn

Zeitfenster September: 200. Geburtstag von Clara Schumann

Am 13. September jährt sich Clara Schumanns Geburtstag zum 200. Mal. Der Festtag bietet Gelegenheit für das Stadtarchiv, im Zeitfenster September ein Exponat mit einer Widmung der Komponistin vorzustellen.

Zeitfenster September: 200. Geburtstag von Clara Schumann

Das optisch ansprechende, aber auf den ersten Eindruck wenig aussagekräftige Exponat enthält indes eine Reihe bemerkenswerter (Bonn-) Bezüge. Das Jahr 1854, in dem die Partitur erschienen ist, bedeutete einen einschneidenden Wendepunkt im Leben der weltberühmten Pianistin. Im März des Jahres war ihr Mann Robert, mit dem sie die Liebesheirat als 21-jährige erst durch einen Prozess gegen ihren Vater Friedrich Wieck erzwungen hatte, nach einem Selbstmordversuch in die Heilanstalt in Bonn Endenich eingeliefert worden, wo er nach zwei Jahren im Beisein von Clara starb. Von da an war die Künstlerin mit ihren sieben Kindern ganz auf sich selbst gestellt. In den vier Jahrzehnten, die sie ihren Mann überlebte, führte die gefeierte Virtuosin ein unstetes Reiseleben, das sie zu Konzerten durch ganz Europa führte, und verdiente damit den Unterhalt für ihre Familie. Die Vielfalt und Selbständigkeit ihres Lebens als Mutter, Künstlerin, Managerin und gefragte Klavierlehrerin machen sie zu einer in ihrer Zeit ganz außergewöhnlichen, modernen Frau. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Alten Friedhof in Bonn an der Seite ihres Mannes Robert, wie sie es sich gewünscht hatte. Ihrer beider Särge haben sich in der Gruft erhalten. 

Joseph Joachim, der Adressat der Widmung, berühmter Geiger und häufiger musikalischer Partner von Clara, war ein enger Freund der Schumanns und kümmerte sich wie auch Johannes Brahms um den psychisch Kranken und stand Clara in dieser schweren Zeit und auch noch lange nach Schumanns Tod bei. Die Widmung, auf einer ihrer Konzertreisen verfasst, mag als Dank für diesen Freundschaftsbeweis zu verstehen sein. Joachim hatte ein besonderes Verhältnis zur Stadt Bonn, vor allem durch seine Beethovenpflege und durch seine Förderung des musikalischen Erbes von Robert Schumann. 1890 organisierte er das erste Kammermusikfest im gerade von einer Bürgerinitiative geretteten Beethovenhaus und wurde der erste Ehrenpräsident des Vereins Beethoven-Haus. Kurz vor seinem Tode wurde er dafür mit der Bonner Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. 

Der 1793 gegründete Musikverlag Nikolaus Simrock gab Erst- und Nachdrucke der Partituren von Beethoven, Haydn, Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und vor allem Brahms heraus und galt als einer der führenden Verlage in dieser Branche. Bis 1870 war das Stammhaus in Bonn, danach in Berlin. Die Dichtungen Friedrich Hebbels, Autor des Nachtlieds, inspirierten Robert Schumann immer wieder zu Kompositionen, vor allem zu seiner einzigen Oper Genoveva. 

Es zeigt sich, dass diese unscheinbare Archivalie einen erstaunlichen Quellenwert besitzt.

Titelblatt der Partitur „Nachtlied von F. Hebbel für Chor und Orchester
Text des Hebbel Gedichts

Das Zeitfenster

Das Stadtarchiv stellt im Zeitfenster monatlich ein Stück aus seinen Beständen vor. Dazu gehören Urkunden, Fotos, Grafiken, Akten, Briefe und historische Bücher. Die Zeitdokumente werfen Schlaglichter auf die Bonner Geschichte und möchten zu Forschungen im Stadtarchiv ermuntern. Das Zeitfenster öffnet sich unter www.bonn.de/zeitfenster. Weitere Informationen zum Stadtarchiv gibt es unter www.bonn.de/stadtarchiv.

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Bildnachweise

  • Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn
  • Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn
  • Stadtarchiv Bonn, Grafische Sammlung
  • Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • Collage Stadtmuseum Bonn
  • Robert-Schumann-Haus Zwickau
  • Robert-Schumann-Haus Zwickau
  • Robert-Schumann-Haus Zwickau

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