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Bundesstadt Bonn

Stadt Bonn vor gewaltigen Herausforderungen im Baubereich

BN - Vor gewaltigen Herausforderungen steht die Bundesstadt Bonn mit ihrem Städtischen Gebäudemanagement (SGB). Neben den zahlreichen, bereits vorgesehenen Projekten muss sie in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Neu- und Erweiterungsmaßnahmen sowie Sanierungen städtischer Immobilien zusätzlich stemmen. Eine Analyse legt die Stadtverwaltung für eine gemeinsame Sitzung des Hauptausschusses und des Betriebsausschusses SGB sowie die Sitzung des Rates im Juli 2018 vor.

Dabei sieht sich die Stadt insbesondere mit zwei Problemen konfrontiert: Zum einen fehlt es im SGB schon jetzt zur Erfüllung der notwendigen Aufgaben an Architekten und Ingenieuren. Zum anderen müssen trotz sehr hoher Verschuldung und Haushaltssicherungskonzept bis zum Jahr 2024 enorme zusätzliche Investitionssummen und -vorhaben baulich umgesetzt werden.

Bereich der Kindertagesstätten

Um in Zukunft ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot im Kindergartenbereich sicherstellen zu können, müssen rund 1800 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren sowie 220 Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren geschaffen werden. Dies entspricht 48 neuen Einrichtungen und einer Investitionssumme von 144 Millionen Euro, für die es etwa 60 Millionen Euro an Zuschüssen des Bundes und Landes gibt.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, neben den bereits geplanten Kindertagesstätten zunächst pro Jahr drei weitere Kindergärten zu bauen. Darüber hinaus wird die Stadt auf Investorenlösungen setzen, um auch auf nicht städtischen Grundstücken bauen zu können, um das SGB zu entlasten und dann die Kindergärten zu marktüblichen Konditionen anzumieten. Zusätzlich werden alternative Beschaffungsmethoden geprüft.

Bereich der Schulen

Laut Wirtschaftsplan wird das SGB von 2018 bis 2022 zwar knapp 131,3 Millionen Euro in Schulbaumaßnahmen investieren, und für die Bauunterhaltung aller Gebäude sind zudem jährlich 22,5 Millionen Euro angesetzt. Aktuell können aber notwendige über den Wirtschaftsplan hinausgehende weitere Maßnahmen aus Kapazitätsgründen nicht mehr umgesetzt werden. Darüber hinaus können für diverse größere Schulbauprojekte bislang lediglich Planungskosten ausgewiesen werden: das notwendige Investitionsvolumen ist deutlich höher.

Hinzu kommt, dass kurz- und mittelfristig weitere gesetzliche Pflichtaufgaben mit einem zusätzlichen Investitionsvolumen von mindestens 70 Millionen Euro umgesetzt werden müssen:

  • Für die (Wieder-) Einführung von G9 an den Gymnasien müssen bis Sommer 2023 insgesamt 63 zusätzliche Räume an neun der zehn städtischen Gymnasien geschaffen werden. Grob kalkuliert werden dafür 15 bis 25 Millionen Euro investiert werden müssen. Darüber hinaus besteht an sieben Gymnasien aufgrund des Sanierungsstaus akuter, z.T. erheblicher weitergehender investiver Handlungsbedarf.
  • Für die dringend notwendige Schaffung einer zeitgemäßen technischen Infrastruktur an den Schulen sind im Rahmen des Förderprogramms „Gute Schule“  acht Millionen Euro für die Digitalisierung (Breitbandanschluss, WLAN, Endgeräte) vorgesehen. Weitere 12 bis 14 Millionen Euro sind für eine LAN-Verkabelung in nahezu allen Gebäuden der 87 städtischen Schulen notwendig. Dafür stünden im Förderzeitraum bis 2022 Gelder in Höhe von bis zu 15,5 Millionen Euro aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz zusätzlich bereit.
  • Bei der offenen Ganztagsgrundschule beträgt die Versorgungsquote in Bonn derzeit 65 Prozent. Um alle Kinder in der OGS betreuen zu können, wie dies im Vertrag der Großen Koalition auf Bundesebene vorgesehen ist, müssen bis 2025 insgesamt 34 OGS-Standorte an  Grundschulen sowie vier Standorte von Förderschulen mit Primarstufe baulich erweitert werden. Investitionsrahmen: 30 bis 50 Millionen Euro.

Kulturbereich

Für die Instandsetzung von Opernhaus und Kammerspiele liegt eine Kostenprognose über insgesamt rund 110 Millionen Euro vor. Eine Sanierung des Werkstattgeländes Beuel wird mit rund 16 Millionen Euro prognostiziert. Unabhängig von der noch ausstehenden Entscheidung über eine Instandsetzung oder einen Neubau des Opernhauses hat die Verwaltung für diese Projekte im Entwurf des Haushalts 2019/20 Planungskosten in Höhe von insgesamt rund 29 Millionen Euro  für die Jahre 2019 bis 2024 angemeldet.

Für das Stadtarchiv, das derzeit im Stadthaus untergebracht ist, wird auf dem Gelände der ehemaligen Pestalozzi-Schule ein Neubau errichtet. Möglicherweise wird dort auch das Stadtmuseum unterkommen. Die Investitionskosten für Stadtarchiv und Stadtmuseum werden sich auf 19 bis 24,6 Millionen Euro belaufen; auf das Stadtarchiv entfallen 13,8 bis 17,9 Millionen Euro, auf das Stadtmuseum 5,1 bis 6,7 Millionen Euro.

Im Gebäude Kurfürstenallee 8 und 9 der städtischen Musikschule werden in Kürze 400.000 Euro in Brandschutzmaßnahmen investiert. Grundsätzlich müssen die Musikschulgebäude sowohl in Bad Godesberg als auch in Bonn und auf dem Hardtberg grundlegend renoviert werden. Der Umfang muss noch ermittelt werden.

Sportbereich

Während das Sport- und Bäderamt für die Sportplätze und Sportaußenanlagen zuständig ist, liegt die Verantwortung für bauliche Maßnahmen in den Bädern, bei den Turn- und Sporthallen sowie bei Umkleide- und Sanitärgebäuden der Sportplätze beim SGB. Der Sanierungsstau an der Sportinfrastruktur wird mit 100 bis 130 Millionen Euro prognostiziert: Turn- und Sporthallen 40 bis 50 Millionen Euro, Sportplätze und Außenanlagen samt Sanitär- und Umkleidegebäuden 20 bis 30 Millionen Euro sowie Bäder 40 bis 50 Millionen Euro; der genaue Bedarf ist noch nicht ermittelt worden. Es muss daher ein Sportstättensanierungsprogramm aufgestellt werden; eine Sportentwicklungsplanung durch einen externen Gutachter läuft derzeit. Eine Sanierung der Sportinfrastruktur ist zur Sicherstellung des gesetzlich vorgeschriebenen Sportunterrichts der Schulen notwendig.

Bereich Feuerwehr/Rettungsdienst/Katastrophenschutz

Feuerwehr und Rettungsdienst nutzen derzeit 27 Liegenschaften mit 50 Gebäuden im Stadtgebiet. Bis auf vier Standorte fallen diese in die Verantwortung des SGB. Schätzungsweise bis zu 60 Millionen Euro müssen in den nächsten Jahren in Neu- und Umbauten sowie Sanierungen investiert werden, um hier sowohl den hauptamtlichen Einsatzkräften, aber auch den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften bei der Freiwilligen Feuerwehr adäquate Arbeitsräume zu bieten.

Bereich Stadtgrün

Verschiedene Bauprojekte für das Amt für Stadtgrün sind mit insgesamt etwa 13 Millionen Euro veranschlagt. Allein der Neubau des Wirtschaftshofes an der Justus-von-Liebig-Straße wird voraussichtlich 10,5 Millionen Euro kosten.

Weitere Großprojekte

Zu weiteren Großprojekten zählt eine mögliche Sanierung des Stadthauses. Ohne  eine Blockrandbebauung und ohne Interimskosten rechnet die Stadtverwaltung nach erster Kostenannahme mit einer mittleren neunstelligen Summe für einen Planungs- und Bauzeitraum von rund zwölf Jahren. Und dieser Betrag ist mit Blick auf Baukostensteigerungen, Personalknappheit in der Baubranche und der Tatsache, dass im Bestand mit seinen Unwägbarkeiten gebaut wird, fortzuschreiben.

Und auch die Sanierung der Stadthalle Bad Godesberg steht auf der Agenda. Hier geht eine erste Kostenannahme von 25 Millionen Euro aus.

Personal

Um diese Herausforderungen an Neu- und Umbauprojekten sowie Sanierungsmaßnahmen (bis auf die Oper-/Theatersanierung) personell meistern zu können, benötigt das SGB 64 zusätzliche Stellen (75 bis 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter). Dadurch ergäbe sich eine jährliche Mehrbelastung von 4,94 Millionen Euro bei den Personalkosten. Die Stadtverwaltung schlägt der Politik vor, zunächst als Sofortmaßnahme zehn neue Stellen für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure einzurichten, um die kurzfristig anstehenden Pflichtaufgaben im Bereich von Kindertageseinrichtungen und Schulen sicherzustellen. Sie weist zugleich darauf hin, dass es aufgrund des Fachkräftemangels und der der derzeitigen Arbeitsmarktsituation in diesem Sektor schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden.

Ausblick

Nach einer entsprechenden Beschlussfassung durch den Rat am 10. Juli 2018 wird die Verwaltung die in ihrer Vorlage skizzierten weiteren Schritte sukzessive auf den Weg bringen. Neben der Einrichtung von zehn weiteren Stellen wird der Fokus insbesondere auf einer Priorisierung aller notwendigen Maßnahmen nach Dringlichkeit liegen, die vor allem berücksichtigt, ob Pflichtaufgaben erfüllt werden müssen.

Außerdem sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie die dringlichsten Bedarfe, die kurz- bis mittelfristig gedeckt werden müssen, auch im Rahmen alternativer Beschaffungs- und Betriebsmodelle realisiert werden können.

Zahlen, Daten, Fakten

Städtisches Gebäudemanagement

  • Zahl der Mitarbeiter im SGB: 390 (341 Stellen)
  • Zahl der betreuten Immobilien: 1.050
  • Seit Gründung des SGB hat sich der jährliche Umsatz von 24 Millionen Euro in 2004, von 2005 bis 2013 auf zwischen 40 und 60 Millionen Euro entwickelt.
  • In den letzten vier Jahren wurden Umsätze von jährlich über 80 Millionen Euro abgewickelt.
  • Der Arbeitsplan des SGB beinhaltet für 2018 108,3 Millionen Euro; davon 22,5 Millionen Euro für Bauunterhaltung, 58,1 Millionen Euro für Investitionen in Gebäude des SGB und 27,8 Millionen Euro in vorfinanzierte Maßnahmen für andere Fachämter.

 

Bereich Kindergärten (Kindergartenjahr 2017/2018):

  • Zahl der Kindergärten insgesamt: 215
  • Zahl der Kindergärten in städtischer Trägerschaft: 71
  • Zahl der Plätze für Kinder ab 3 Jahren: 9282 in Kitas, 124 in heilpädagogischen Einrichtungen und 850 bei privatgewerblichen Anbietern
  • Zahl der Plätze für Kinder unter 3 Jahren: 4013 (davon 2913 in Kindergärten und 1100 in Tagespflege)
  • Zahl der Kindergartenkinder ist zwischen 2010 und 2018 um 500 gestiegen

 

Bereich städtische Schulen (Schuljahr 2017/2018)

  • Die Stadt Bonn ist Schulträgerin von 87 städtischen Schulen: 49 Grundschulen, 6 Förderschulen, 4 Hauptschulen, 7 Realschulen, 10 Gymnasien, 5 Gesamtschulen 2 Weiterbildungskollegs und 4 Berufskollegs
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: insgesamt 44.379
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler an nicht-städtischen Schulen in freier Trägerschaft in Bonn: 7950
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter stieg von 2010 bis 2018 von 11.351 um 849 Kinder (= 34 neue Grundschulklassen) auf 12.200 an.

 

Bereich Sport

  • 81 Einfach-Turnhallen, 9 Großturnhallen, 9 Dreifach-Hallen, eine Vierfach-Halle, 24 Gymnastikhallen, vier Mehrzweckhallen, zwei Schulaulen, zwei Krafträume
  • 52 Sportplätze und Sportaußenanlagen
  • Fünf Freibäder, zwei Hallenbäder, ein Kombi-Bad, die Schwimmhalle im Sportpark Nord und sechs Schulschwimmbecken, davon fünf Lehrschwimmbecken

 

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Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
  • Stadtwerke Bonn
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  • Bundesstadt Bonn
  • Repro: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn
  • MMP Event GmbH

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