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Bundesstadt Bonn

Wenn "Luisa" da ist, können Frauen entspannter feiern

OB Ashok Sridharan und der Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg stellen die Kampagne "Luisa ist hier!" zum Schutz vor Belästigung und Übergriffen vor. Geschultes Thekenpersonal in Clubs, Kneipen und Restaurants hilft Frauen aus unangenehmen Situationen heraus.

BN - Ein Typ, der permanent starrt, das anfangs nette Date, das immer zudringlicher wird, oder Grapschen auf der Tanzfläche – für Frauen kann es zu unangenehmen Situationen beim Ausgehen kommen. Hier setzt die Kampagne „Luisa ist hier!“ an. Sie ist ein Hilfsangebot an Frauen in Gaststätten, Kneipen und in der Partyszene. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Frauen an das Personal wenden und bekommen unmittelbar und diskret Hilfe. Oberbürgermeister Ashok Sridharan stellte die Kampagne am Dienstag, 21. August 2018, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

Wenn eine Frau nach Luisa fragt, bietet das geschulte Thekenpersonal ihr einen Rückzugsort, wie beispielsweise den Personalraum. An diesem Rückzugsort wird dann das weitere Vorgehen mit der Frau besprochen und dies hängt demnach ganz davon ab, welche Hilfemöglichkeit die Frau in der konkreten Situation in Anspruch nehmen möchte. So kann zum Beispiel ein Taxi gerufen werden, es können auch ihre Freunde in der Kneipe oder im Club gesucht werden oder jemand kann ihre Sachen von der Garderobe abholen. Luisa hilft nicht nur in konkreten Situationen - bereits die Möglichkeit der niedrigschwelligen Hilfe gibt Frauen schon ein Gefühl der Sicherheit.

Gastronomen setzen Signal – hier ist kein Platz für Übergriffe

„Mit der Kampagne ‚Luisa ist hier!‘ knüpfen wir an unsere Null-Toleranz-Strategie gegen Übergriffe und sexuelle Gewalt aus der Karnevalszeit an. Nein heißt immer noch nein – damit das in der Partyszene ganz klar wird, holen wir jetzt aktiv die Bonner Gastronomen ins Boot. Ihnen kommt eine ganz wichtige Rolle bei der Prävention zu. Denn durch ihre Teilnahme setzen sie das Signal, dass in ihrem Laden kein Platz für Übergriffe und Gewalt ist“, betonte Oberbürgermeister Ashok Sridharan.

„Mit der Kampagne wollen wir für Frauen möglichst viele sichere Orte ermöglichen, an denen sie entspannt feiern können“, sagt Katja Schülke, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bonn und Mitglied im Arbeitskreis (AK) Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg. Sie hat die Kampagne für Bonn initiiert und gemeinsam mit den Kolleginnen des Arbeitskreises aufbereitet. „Die aktuellen Debatten um sexuelle Belästigung machen deutlich, wie wichtig für betroffene Frauen und Mädchen das Gefühl ist, mit ihren Erlebnissen nicht alleine zu sein und auf schnelle Hilfe vertrauen zu können“, sagt Conny Schulte von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis.

„2017 wurden in Bonn laut polizeilicher Kriminalstatistik 419 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst. Darunter fällt, seit der Änderung des Strafgesetzbuches im November 2016, auch der Straftatbestand der sexuellen Belästigung, welcher Belästigungen durch körperliche Berührungen in sexuell bestimmter Weise unter Strafe stellt.

Diese Handlungen fielen bis dato nicht unter die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, sondern unter den Tatbestand der Beleidigung“, berichtete Kriminalhauptkommissarin Irmgard Küsters, Opferschutzbeauftragte der Polizei Bonn und Mitglied im AK Opferschutz.

Wann wird nach „Luisa“ gefragt und warum ein Code?

Die Frauen können nach Luisa fragen, wenn sie sich in einer Situation unsicher oder unwohl fühlen. Ein Unsicherheitsgefühl reicht aus, um sich mit dem Code an das Thekenpersonal zu wenden. Die Situation muss nicht ausgehalten werden, bis etwas „Schlimmeres“ passiert. Natürlich kann der Code auch genutzt werden, wenn die Frau sexuelle Belästigung, Gewalt oder Bedrohung erlebt hat.

Der Code soll die Hemmschwelle senken, sich Hilfe zu holen. Gerade in Kneipen und Clubs, wo es häufig sehr laut ist, kann es unangenehm sein einen Vorfall über die Theke zu rufen und damit auch die Aufmerksamkeit anderer Gäste auf sich zu ziehen. Mit einem Code, der auch in lauter Umgebung leicht verständlich ist, kann unauffällig und diskret Hilfe gesucht werden. Besonders wichtig ist, dass das Personal nicht nachhakt, warum die Frau nach Luisa fragt. Es wird nicht bewertet oder abgewiegelt. Die Frau muss nicht über den Vorfall reden und ihn vor einer fremden Person schildern.

OB Sridharan appelliert an Bonner Gastronomen: „Machen Sie mit!“

Oberbürgermeister Sridharan dankte auch Valeska Kröll, Inhaberin des „Bla“ in der Altstadt, sowie Rüdiger Schütz, Inhaber des „Meyer’s“ in Poppelsdorf, dafür, dass sie sich sofort für die Kampagne begeistert haben und teilnahmen. „Ich wünsche mir, dass noch sehr viele Bonner Gastronomen Ihrem Vorbild folgen und mitmachen“, appellierte der Oberbürgermeister. 

Für Bla-Inhaberin Valeska Kröll ist das Projekt so wichtig, weil eine Frau weiß, dass sie sich in einem geschützten Raum befindet, in dem sie sich nicht erklären muss, sondern sich darauf verlassen kann, dass sie unterstützt wird. „Jede Frau zieht ihre Grenze anders und empfindet individuell, wann sie sich bedrängt und unwohl fühlt“, sagt sie.

Auch „Meyer’s“-Chef Rüdiger Schütz macht mit, weil er „Luisa“ für sehr sinnvoll hält: „Auch wenn ich das Meyer´s nicht für den typischen Ort von Belästigung in irgendeiner Form halte, so haben wir doch die Möglichkeit, an einer hoffentlich erfolgreichen Einführung in dieser schönen Stadt mitzuwirken.“

Der Frauennotruf Münster hat die Idee zu „Luisa ist hier!“ nach dem britischen Vorbild „Ask for Angela“ als erster Träger in Deutschland Ende 2016 umgesetzt. Mittlerweile läuft die Kampagne in mehr als 40 deutschen Städten sowie in der Schweiz und Österreich. Bonner Gastronomie-Betriebe, die sich an der Kampagne beteiligen möchten, können sich an Katja Schülke, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bonn, Telefon: 0228-77 3900, E-Mail:  katja.schuelkebonnde sowie an Conny Schulte von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt wenden, Telefon: 0228-63 55 24,  infoberatung-bonnde. Weitere Informationen zur Kampagne auch unter  www.luisa-ist-hier.de.

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