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Bundesstadt Bonn

Hanns Heinz Ewers

geb. 3. November 1871 - gest. 12. Juni 1943

Hanns Heinz Ewers, seinerzeit berühmt-berüchtigt nicht nur wegen seiner phantastisch-erotischen Romane, sondern auch wegen seines betont dekadenten Lebenswandels, hat sicherlich den eigenartigsten „Bonn-Roman“ verfasst, der je geschrieben wurde: Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens (1911). Ewers' erfolgreichster und mehrmals verfilmter Roman ist die in Bonn spielende phantastische Geschichte eines künstlich erzeugten amoralischen Wesens. Allen Männern, die der schönen Kindfrau verfallen, bringt sie Verderben, Glück jedoch denen, die sie beherrschen.

Doch nicht nur in der Alraune spielen Bonn und das Rheinland eine Rolle, als Nebenschauplatz oder Szenarium für einzelne Episoden greift der Autor immer wieder darauf zurück, und in der Ferne gaukelt auch schon mal ein Tagtraum die rheinische Heimat vor. Auch rheinische Figuren und rheinischer Dialekt tauchen übers Werk verstreut auf. Bonn ist beispielsweise auch Schauplatz der Erzählung „Die Wasserleiche“ aus dem Band „Das Grauen“ (1909), wo der Held, ein werdender Dichter, sich aus Kummer über die Verkennung seiner Talente beinahe vom Alten Zoll stürzt. In Ewers' Nazi-Roman „Reiter in deutscher Nacht“ endet die Schlacht bei Ägidienberg, in der der „Selbstschutz“ die „rheinischen Separatistenbanden“ schlägt, in Königswinter auf der Terrasse des Hotels Europäischer Hof. - Dies nur eine kleine Auswahl aus den Ewerschen Rhenania. 

Die familiären Wurzeln lagen in Bonn

Hanns Heinz Ewers, zynischer Snob, Weltenbummler und Lebemann, Literat und Kabarettist, Exzentriker, Okkultist, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern, Frauenliebhaber und homophil, international und völkisch, der ewig Schüchterne mit dem Hang zur Selbstdarstellung, spielte viele Rollen in seinem Leben.

Seine Familie mütterlicherseits, schon lange in Bonn ansässig, hatte zu Beginn des 19.Jh. das Klostergebäude der Kapuziner erworben, das sich vom früheren Vierecksplatz (heute Berliner Freiheit) bis zum Belderberg erstreckte, und dort die Textilfirma Weerth & Peill angesiedelt. Ewers kam aber nicht in Bonn, sondern in Düsseldorf zur Welt. Früh schon erzählte die selbst schriftstellernde Mutter ihrem Sonn Geschichten und Märchen, so dass er von Anfang an mit der Literatur in Kontakt kam. Zunächst besucht er das Königliche Gymnasium in Düsseldorf, wo er bald sein Faible für Heine entdeckt.

Der ausschließlich künstlerisch und literarisch Interessierte ringt sich auf Betreiben der Mutter zu einem Jura-Studium durch und immatrikuliert sich zum Sommersemester an der Berliner, im Wintersemester 1892/93 an der Bonner Friedrich-Wilhelms-Universität, danach studiert er in Brünn und Genf, dann wieder in Bonn, wo er 1894 das 1. Staatsexamen ablegt. In Düsseldorf interessieren den frischgebackenen Referendar der Künstlerverein Malkasten, Psychologie, Mystik und okkulte Wissenschaften weit mehr als der Dienst. Der angehende Jurist nimmt leidenschaftlich Partei für den damals wegen Homosexualität verurteilten Dichter Oscar Wilde. Er nimmt an spiritistischen Sitzungen teil, die in einem  Skandal enden, und wird wegen eines damit in Zusammenhang stehenden Duells zu vier Wochen Festungshaft auf Ehrenbreitstein interniert. 

Schließlich wird er 1897 aus dem Staatsdienst entlassen, und ohne die 2. Staatsprüfung abgelegt zu haben, macht er im nächsten Jahr, wenn auch mit der schlechtesten Note, in Leipzig den Dr. jur. Damit jedoch ist für Ewers das Kapitel Juristerei endgültig ad acta gelegt. Der Wunsch, Schriftsteller zu werden, nimmt nun immer konkretere Formen an. Seine dichterischen Vorbilder finden sich neben Heine, Poe und E.T.A. Hoffmann vor allem in der symbolistischen Literatur. Erstveröffentlichungen erscheinen in Zeitschriften, wo er neben Hanns Heinz Ewers gelegentlich mit Nazi (=Draufgänger, Schürzenjäger) zeichnet. Die Saarbrücker Halbmonatsschrift "Der Kunstfreund", in der er zusammen mit Freund Theodor Schulz die Redaktion übernimmt, wird zum ersten beruflichen Forum im schriftstellerischen Metier. Von sich reden macht er durch Publikationen in der ersten Homosexuellenzeitschrift der Welt "Der Eigene, Kulturblatt für feinsinnige und eigenartig veranlagte Menschen". Neben rein Literarischem schreibt Ewers aber auch politische und juristische Beiträge. Für letzteres benutzt er hauptsächlich das Pseudonym Dr. jur. Bergfeldt. 

Bonner Kulisse prägt den Roman „Alraune“

Drei Romane begründen seinen Ruf als Schriftsteller des Phantastischen: die Frank Braun-Trilogie „Der Zauberlehrling oder die Teufelsjäger“ (1909), „Alraune“ (1911) und „Vampir“, ein verwilderter Roman in Fetzen und Farben (1921). Ewers entwirft darin eine exzentrische Traumwelt, in der sarkastische Perversionen und laszive Erotik zu einer seltsamen Mischung von Phantasie und Realistik gerinnen. Hauptfigur aller drei Romane ist der Schriftsteller Dr. Frank Braun - Ewers' Alter ego.

Die „Alraune“: Hauptfigur ist Frank Braun, der amoralische Lebemann, der die Alraune gedanklich erzeugt, während der Bonner Onkel Geheimrat ten Brinken die physische Erschaffung durch eine makabre künstliche Befruchtung in die Wege leitet. Das so erschaffene Wesen stürzt alle Männer, die mit ihr zusammenkommen und sich hoffnunglos in sie verlieben, ins Verderben. Nach einer schwülstig leidenschaftlichen Liaison mit ihrem geistigen Erzeuger Frank Braun trachtet sie auch ihm nach dem Leben. Doch dieser weiß das zu verhindern: Er ruft die mondsüchtige Alraune an, sie stürzt vom Dach und stirbt. Der skandalumwitterte Roman wurde ein ungeheurer Erfolg, in mehr als 20 Sprachen übersetzt, mehrmals verfilmt, u.a. mit Hildegard Knef.

Bis auf den Hauptschauplatz, das Anwesen des Geheimrats, für den Ewers' Großonkel Prof. Dr. Karl Ernst aus'm Weerth herhalten musste, ist die Bonner Topographie sehr genau erfasst. (Das Gut des Geheimrats wird nach Lendenich verlegt, offensichtlich eine Kolporage aus Endenich und Lessenich). Lediglich die Szenen der künstlichen Zeugung spielen in Berlin. Gerade die Realistik des Ambientes und die gut getroffene, leicht professorale Atmosphäre der harmlos gemütlichen Stadt machen die Lektüre der abstrusen Ereignisse für den Bonn-Kenner noch eigenartiger. 

Anerkennung und Erfolg als Drehbuchautor

Bleibende Anerkennung dagegen erntete Ewers für seine Filme. Mit dem „Student von Prag“ (1913), für den er das Drehbuch schrieb, gelang ihm einer der ersten deutschen Filme von Weltrang. 1909 wird er Mitbegründer des Schutzverbands Deutscher Schriftsteller, 1911 beginnt seine langjährige Freundschaft mit Walther Rathenau.

Ewers arbeitet unermüdlich: als Herausgeber, Drehbuchschreiber, Opernlibrettist und Theaterautor (besonders erfolgreich wird "Das Wundermädchen von Berlin", 1913). Am Ende des 1. Weltkriegs stand Ewers auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Der Krieg überrascht ihn auf einer Amerika-Reise. Von 1914 bis 1920 lebt er in den USA, wo er deutschfreundliche Propagandatätigkeit betreibt. In dieser Zeit wandelt sich der Kosmopolit zum Nationalisten. 1918-19 ist er als Kriegsgefangener in den USA interniert und kehrt danach nach Deutschland zurück. 

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Bildnachweise

  • Stadtmuseum Bonn
  • Collage Stadtmuseum Bonn
  • Stadtarchiv Bonn
  • Stadtmuseum Bonn
  • Bundesstadt Bonn / Stadtarchiv
  • Information : Michael. Sondermann@Bonn.de

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