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Bundesstadt Bonn

Johannes Brahms

geb. 7. Mai 1833 - gest. 3. April 1897

Eine Fotoserie zeugt vom letzten Aufenthalt, den Johannes Brahms im Rheinland verbracht hat, ein Aufenthalt im Kreise der Familie Weyermann auf dem Hagerhof in Bad Honnef, Pfingsten 1896. Eines der Fotos - zu sehen auch in Raum 8 des Stadtmuseums Bonn in der Franziskanerstraße 9 - zeigt einen deutlich älter als seine 63 Jahre wirkenden Johannes Brahms im Kreise der Familie und Freunde der Weyermanns. 

Die Einladung zu einem intimen Kammermusikfest auf dem Hagerhof zu Pfingsten (zeitlich an das 73. Niederrheinische Musikfest in Düsseldorf anschließend), das vor allem der Musik von Brahms gewidmet sein sollte, war u. a. an den Bonner Universitätsmusikdirektor Prof. Dr. Leonhard Wolf ebenso erfolgt wie an Gustav Ophüls, Rudolf von der Leyen und den damaligen Konzertmeister des Meininger Hoforchesters Bram-Eldering als Besetzung der zweiten Geige. Das Festprogramm am Sonntagvormittag musste ausfallen, weil die Mitteilung vom Tode Clara Schumanns (20. Mai 1896) und Festlegung ihrer Beerdigung in Bonn auf den Pfingstsonntag, einige der Gäste nach Bonn gerufen hatte.

Man war unsicher, ob Johannes Brahms, dem es damals gesundheitlich nicht mehr besonders gut ging, „herbeieilen werde, um seiner so hochverehrten Freundin ebenso wie vor vierzig Jahren ihrem Gatten das letzte Geleit zu geben“ (Gustav Ophüls, Erinnerungen an Johannes Brahms, S. 11). Brahms hatte in Bad Ischl vom Tode Clara Schumanns erfahren und war rechtzeitig zur Beerdigung in Bonn eingetroffen. Trotz des traurigen Anlasses war die Freude der Brahms-Verehrer auf dem Hagerhof groß, dass dieser zustimmte, an dem musikalischen Pfingstfest teilzunehmen, wovon gleich zwei Telegramme aus Bonn die Hausherrin Emmy Weyermann geb. von der Leyen infomierten: „Diner auf sieben Uhr verschieben; Brahms kommt mit.“ und „Bitte um ein Bett und ein Kuvert mehr. Brahms“. Die jüngeren Hausgäste, die eine Ehrenpforte aufrichten wollten, wurden vom Hausherrin daran gehindert: „Ihr müsst bedenken, Brahms kommt unmittelbar vom offenen Grabe seiner besten Freundin.“

Der Trauer mit Musik begegnet

Im ebenso gesellig-herzlichen wie musikalischen Kreise der Weyermanns fühlte Brahms sich geborgen, und musste seine innere Ergriffenheit im Gedenken an Clara und Robert Schumann nicht verbergen, obwohl der erste gemeinsame Abend ohne Musik blieb und von Brahms abrupt beendet wurde: „Ach was, es ist doch alles eitel in dieser Welt; der einzige Mensch, den ich wirklich geliebt habe, den habe ich heute begraben! Gute Nacht, meine Herrschaften!“

Am Pfingstmontag jedoch spielte er mit den Streichern sein Klavierquintett und das Streichquartett in A-dur von Robert Schumann, das er ganz offensichtlich ebenso als Requiem für seine tote Freundin empfand wie seine am Nachmittag vorgetragenen neuen Lieder, unter denen das dritte Lied mit den Textzeilen „O Tod wie bitter bist du - O Tod wie wohl tust du“ nicht nur Brahms zu Tränen rührte. Am 28. Mai 1896 nahm Brahms Abschied von seinen Gastgebern und dem Rheinland, das er bis zu seinem frühen Tod im April 1897 nicht mehr gesehen hat. 

In Mehlem wurde die Schumann-Verehrung geweckt

Zwischen diesem letzten Aufenthalt und seinem ersten lagen mehr als 40 Jahre, die auch die innige Freundschaft mit Robert und Clara Schumann umschlossen. Gerade 20 Jahre alt war Brahms, als er zum ersten Mal ins Rheinland gekommen ist, und am 1. September 1853 als Gast bei der Kölner Bankierfamilie Deichmann auf deren Sommersitz in Mehlem einkehrte, wovon er enthusiastisch seinem Freund Joseph Joachim berichtete: „Wie schön es mir dort gefallen hat, kannst Du Dir nicht denken ...“ Ganz im Gegensatz zu seiner späteren Erscheinung war Brahms damals ein „interessant wie eigenartig aussehender junger Musiker zu, der in seiner noch beinahe knabenhaften Erscheinung, mit seiner hellen Stimme, den langen blonden Haaren, in seinem schlichten Sommerröckchen einen höchst anziehenden Eindruck machte.“

Mit Ranzen und Stab, die ihn nach der Erzählung einer Deichmann-Enkelin dem Dienstpersonal der Villa Deichmann wohl wie ein Handwerksbursche erscheinen ließ, trat der junge Brahms wenige Wochen vorher - am 1. September 1853 - über die Schwelle der Sommervilla des Kölner Bankiers Wilhelm Ludwig Deichmann in der Mehlemer Aue. 

Johannes Brahms kam mit einem Empfehlungsschreiben des Göttinger Universitätsmusikdirektors Arnold Wehner, das ihm den allerbesten Empfang sicherte. In Göttingen hatte Brahms von Anfang Juli bis Mitte August 1853 als Logiergast bei seinem studienhalber dort weilenden und erst im Frühjahr 1853 neu gewonnenen Freund Joseph Joachim gewohnt, und neben der Bekanntschaft zum Musikdirektor Wehner auch eine zu Hoffmann von Fallersleben geschlossen, von dem er noch in Göttingen vier Gedichte vertonte. Von Göttingen fuhr Brahms nach Mainz, von wo er am 26. August zu Fuß zu seiner Rheinwanderung aufbrach, die ihn am 1. September in das Deichmann'sche Anwesen in Mehlem führte: „Ich bin dem Wetter den größten Dank schuldig, daß es mich zwang, die herrliche Familie des Hrn. Deichmann einen Tag früher kennen zu lernen. Denselben bin ich jedoch besonders Ihnen schuldig, da Sie mir durch Ihren Brief die freundlichste Aufnahme verschafften; Ich befinde mich hier schon wie in Abrahams Schooß; [...]“ (Auszug aus der Briefedition von Renate Hofmann) 

Dem gastlichen und kunstsinnigen Haus der Deichmanns, in dem Künstler und Gelehrte mit offenen Armen aufgenommen wurden, blieb Brahms in Freundschaft verbunden, und es gab auch in seinen späteren Jahren kaum einen Aufenthalt in Bonn und Umgebung, u.a. zu den Bonner Schumannfeiern 1873 und 1880, wo er nicht auch die Deichmanns besucht hätte. Auch Brahms Entschluss, von Mehlem nach Düsseldorf zu reisen, um dort Robert Schumann kennen zu lernen statt wie ursprünglich geplant nach Leipzig zu gehen, reifte, wie er Joseph Joachim wissen ließ, während seines Aufenthalts bei Wilhelm Ludwig Deichmann und seiner Frau Lilla, da er erst bei ihnen „besonders ....Schumanns Werke kennen und verehren lernte.“

Persönlich lernte Brahms, von Bonn kommend, Robert und Clara Schumann am 30. September 1853 in Düsseldorf kennen, eine Begegnung, deren persönliche wie musikalische Konsequenzen hinreichend bekannt sind, und die Brahms auch mit seinen schönsten wie seinen schmerzlichsten Erinnerungen für immer mit dem Rheinland verbunden hat. 

Autorin: Ingrid Bodsch

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Bildnachweise

  • Stadtmuseum Bonn

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