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'Langer Eugen' vereint denkmalgeschütztes Design mit moderner Technik


 

Provisorischen Charakter sollte das Gebäude haben und später auch für andere Zwecke nutzbar sein - das war der ausdrückliche Auftrag, den Architekt Egon Eiermann 1965 bei der Planung des Neuen Abgeordnetenhochhauses in Bonn zu erfüllen hatte. Im Falle des Umzuges nach Berlin solle das Gebäude internationalen Organisationen als Sitz angeboten werden, schlug das Präsidium des Bundestages damals vor. Was in der Zeit des Kalten Krieges jedoch als äußerst unwahrscheinlich galt, wird heute Wirklichkeit: Sieben Jahre nachdem die Bundestagsabgeordneten den 'Langen Eugen', das Wahrzeichen des Bonner Parlamentarismus, verlassen haben, weihte UNO-Generalsekretär Kofi Annan das denkmalgeschützte Gebäude als Herzstück des 'UN Campus' ein.

'Der Betrachter sieht heute von außen keinerlei Unterschied zu 1969, obwohl etwa 70 Prozent der Fassade ausgetauscht wurden', stellte Architekt Hermann Henkel bei der Begehung des sanierten Hochhauses zufrieden fest. 'Im ganzen Gebäude haben wir Alt und Neu so kombiniert, dass alles dem Eiermannschen Gedanken entspricht.' Auch im Inneren hat das Architekturbüro HPP International die von Eiermann entworfene Einrichtung beibehalten oder nachempfunden, während gleichzeitig die gesamte Haustechnik wie Heizung, Klimaanlage, Wasser und Abwasser, Beleuchtung und Datennetze erneuert wurde. So verbindet das 30-stöckige, 117 Meter hohe Haus heute modernste Infrastruktur mit klassischem Design.

Neu sind zum Beispiel mobile Hochwasserschutzwände, die innerhalb von drei Stunden rund um das Gebäude im Fundament befestigt werden können sowie meterdicke Hochwasserschutzplatten unter dem Haus gegen Wassereinbruch von unten. Auch Dolmetscherkabinen für bis zu sieben Sprachen in den großen Sitzungssälen, zwei Videokonferenzräume und gläserne Brandschutzwände waren den MdBs noch unbekannt. Für die UN-Mitarbeiter gibt es ein Internetcafé ebenso wie einen Andachtsraum zum Beten oder Meditieren. Streng an der Originalausstattung orientiert sich allerdings die Möblierung der Büros, bis hin zum Furnier der Einbauschränke und Regale. Auch wenn in vielen Räumen Wände entfernt wurden, um Platz für mehrere Arbeitsplätze zu schaffen, sollte der Stil erhalten bleiben: 40 000 Quadratmeter französisches Nussbaumholz wurden verwendet, um Schränke und Türen nachzubauen, 10 Kilometer Regalbretter und 14 Kilometer Fußleisten wurden ausgetauscht. In der Kantine in der 29. Etage des Hochhauses haben die Mitarbeiter nicht nur eine phänomenale Aussicht über das Rheintal, sie laufen auch auf einer Nachwebung des englischen Original-Teppichs aus den 1960er Jahren, wie Projektleiter Fritz Altland stolz erklärte. Zur Bestätigung zückte er zwei ringgebundene Architekturzeitschriften, Jahrgang 1972, und deutete auf die Abbildungen: 'An diesen Fotos haben wir uns orientiert, um auch die Tische und Stühle zumindest in ähnlicher Form zu beschaffen'.

Mit der Sanierung und der Ansiedlung der UN-Organisatoren im ehemaligen Abgeordnetenhaus sei der 'Lange Eugen' ein Paradebeispiel für die Umnutzung von Bonner Gebäuden nach dem Regierungsumzug, sagte Michael Isselmann, Leiter des Stadtplanungsamt. 'Nachdem Berlin Bundeshauptstadt wurde, galt für Bonn die internationale Ausrichtung als eine wichtige Säule des Strukturwandels. Mit dem UN-Campus ist uns die Neuorientierung hervorragend gelungen.'

Nach der Sanierung des 'Langen Eugen' stehen jetzt 410 Büroräume, vier Konferenzräume, 36 Besprechungsräume und eine große Bibliothek zur Verfügung. Die Kosten der von 2002 bis März 2006 dauernden Sanierung belaufen sich auf 55 Millionen Euro. Rund 600 Mitarbeiter von elf UN-Organisationen haben ihr neues Quartier bereits bezogen. In drei Geschossen bleibt noch Platz für Erweiterungen der bestehenden Nutzer oder Neuansiedlungen.

Am 11. Juli 2006 wurde vor dem 'Langen Eugen' nun endlich die Flagge der Vereinten Nationen gehisst, ganz so wie es Visionäre schon 1965 prophezeiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab dann das nun exterritoriale Gebiet offiziell an UNO-Generalsekretär Kofi Annan und beging gemeinsam mit ihm das geschichtsträchtige Gebäude.

Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen soll mit seinen zurzeit 230 Mitarbeitern in das Alte Abgeordnetenhaus ziehen. Dessen Sanierung kostet voraussichtlich weitere 55 Millionen Euro. Die UN-Organisationen nutzen die Gebäude des UN-Campus mietfrei, kommen jedoch für die Betriebskosten auf. Dank der Gebäudesanierungen liegen diese jedoch deutlich unter denen zu Bundeshauptstadt-Zeiten.


Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2008




 


 

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