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'Bröckemännche' geht ins Exil


 

Das verschnürte  'Bröckemännche'  © Stadt Bonn
| vergrößerte Ansicht: Das verschnürte 'Bröckemännche' © Stadt Bonn
 
Das verschnürte 'Bröckemännche'

Das Bonner "Bröckemännche", Wahrzeichen rheinischen Frohsinns und augenzwinkernder Bonner "Rache" an den zahlungsunwilligen Beuelern, geht für die Dauer der Sanierung und Verbreiterung der Kennedybrücke ins Exil. Bis 2010 soll es sicher in den schützenden Mauern des Bonner Stadtmuseums verbringen.

Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann sowie die beiden Bezirksvorsteher Helmut Kollig und Wolfgang Hürter halfen anlässlich des offiziellen Baustarts für das 40-Millionen-Euro-Projekt tatkräftig bei der Bergung der legendären Figur mit, die in den letzten Jahrzehnten an der Kennedybrücke unterhalb der Bonner Oper angebracht war. Dr. Ingrid Bodsch, Leiterin des Stadtmuseums Bonn, nahm das "Bröckemännche" symbolisch entgegen. Sie versprach, die Steinfigur immer mal wieder im Stadtmuseum für die Öffentlichkeit zu zeigen. Wahrscheinlich 2008, anlässlich des 110jährigen Bestehens einer Brückenverbindung zwischen Bonn und Beuel, wird das Männchen Mittelpunkt einer kleinen Ausstellung über die Geschichte der Rheinbrücke im Stadtmuseum sein.

Bonner Zitat des Götz von Berlichingen

Das 'Bröckemännchen' © Stadt Bonn
Das 'Bröckemännchen'

Das "Bröckemännche" hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Anlässlich der Eröffnung der ersten Bonner Rheinbrücke 1898 war die Steinskulptur im Torbogen des Beueler Strompfeilers angebracht worden, übrigens gemeinsam mit einer schimpfenden Waschfrau. Das "Bröckemännchen" reckte dem Beueler Rheinufer keck sein Hinterteil entgegen. Die Figur des Brückenweibchens zeigt eine Frau mit grimmigem Blick und mit erhobenem, wurfbereiten Pantoffel in der Hand.

Beide steinernen Karikaturen sollen Wahrzeichen des Beueler Geizes sein. Denn die damalige Gemeinde Vilich (Beuel ist erst seit 1922 gebräuchlich) hatte sich der Überlieferung nach nicht an den Kosten für den Bau der Rheinbrücke beteiligt. Daher schickten die Bonner mit dem kleinen Kerl am Brückenpfeiler ein bis zum Tag der Eröffnung am 17. Dezember 1898 noch durch ein Baugerüst verhülltes Zitat aus dem "Götz von Berlichingen" an ihre rechtrheinischen Nachbarn. Der Überlieferung nach sorgte das Wahrzeichen rheinischer Frohnatur hüben wie drüben für Erheiterung.

Geschaffen hat beide Figuren nach den vorliegenden Quellen der Bonner Bildhauer Josef Nicolas. Besonders das freche "Bröckemännche" wurde zum Wahrzeichen Beuels und Bonn und war bald beliebtes Postkartenmotiv. Ein Beispiel hierfür stammt aus dem Jahr 1930 mit folgendem Text "Am Brückenpfeiler gen Beuel gewandt, dies kleine Männchen sein Plätzchen fand. Zum Trotze der Beueler ruft es laut: Bonn hat die Brücke allein gebaut".

"Bröckemännche" fiel vom Sockel

Das Original des "Bröckemännchens" existiert leider nicht mehr. Hatte der freche Kerl zwar die Sprengung der Brücke am 8. März 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, noch relativ unbeschadet überstanden, fiel er im Zuge der Aufräumarbeiten und der damit verbundenen erneuten Sprengung von Trümmern im Sommer 1945 endgültig von seinem in luftiger Höhe angebrachten Sockel.

Der Beueler Gastwirt Philipp Otto nahm sich der herrenlosen Skulptur an und vergrub sie heimlich in seinem Garten in der Rheinaustraße. Er befürchtete, dass das "Bröckemännchen" Souvenirjägern zum Opfer fallen könnte.

Als Beuel im Februar 1949 das 125jährige Bestehen seiner Weiberfastnacht feiern wollte, lüftete Otto sein Geheimnis und holte die Figur aus ihrem Versteck. Nachdem das "Bröckemännche", übrigens ebenso wie das Brückenweibchen, in einem Festzug durch Beuel gefahren wurde, gaben es die Beueler den Bonnern wieder zurück.

Dem "Bröckemännche de Botz geflick"

Den etwas angeschlagenen Kerl restaurierte der Bonner Bildhauer Jacobus Linden oder wie es in der Rechnung an die Stadt Bonn heißt, hatte er dem "Bröckemännche de Botz geflick".
Zur Einweihung der neuen Rheinbrücke 1949 wurde das "Bröckemännche" am Bonner Landpfeiler unterhalb des Brückengeländers angebracht, das Hinterteil nun nach Süden gewandt.

Leider fiel das Original am 18. März 1960 einer Steinattacke zum Opfer. Vier Jugendliche - der Überlieferung nach aus Beuel stammend - warfen dem kecken Figürchen einen schweren Stein auf den gekrümmten Rücken. Das hielt der aus Sandstein geformte Körper nicht aus und zerbrach in Stücke. Das "Ur-Bröckemännche" konnte also nicht gerettet werden. Aber die Stadt Bonn ließ eine neue, dieses Mal aus robusterer Basaltlava bestehende Figur fertigen. Beim Bau der Tiefgarage am Stadttheater - 1984 - musste das "Bröckemännche" nochmals seinen Platz ein wenig verändern und wurde an der Kennedybrücke unterhalb der Oper in etwas luftigerer Höhe als bisher montiert.

Das weibliche Pendant des "Bröckemännchens" konnte alle Wirren übrigens weitgehend unbeschadet überstehen. Es verschwand auch bei der Sprengung der Trümmer nach dem Zweiten Weltkrieg spurlos. Zum 125jährigen Bestehen der Weiberfastnacht 1949 tauchte es wieder auf. Das Alte Beueler Damenkomitee stellte das "wehrhafte Weib" als Waschfrau am Beueler Rheinufer auf. Im Zuge des weiteren Ausbaus des Hochwasserschutzes in Beuel wurde es in die neue Hochwassermauer am Hans-Steger-Ufer integriert.

Ehrenrettung der Beueler

Zur Ehrenrettung der Beuler beziehungsweise der damaligen Vilicher sei angemerkt, dass Vilich viel kleiner war als Bonn und der linksrheinische Nachbar viel größeres geschäftliches Interesse an der Rheinbrücke hatte. Vilich war also bei weitem nicht so zahlungskräftig wie Bonn. Hinzu kam, dass die Brücke auf dem heutigen Beueler Rheinufer im Niemandsland endete. Das Beueler Geschäftszentrum lag mehr in Richtung Vilich. Daher mussten die Beueler nun eine neue Straße als Verbindung zur Rheinbrücke bauen.


Letzte Aktualisierung: 24. April 2007




 

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