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Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Bücherverbrennung


 

Die Stadt und die Gedenkstätte Bonn laden am Mittwoch, 10. Mai 2017, um 12 Uhr zu einer öffentlichen Lesung am Erinnerungsmal vor dem Alten Rathaus ein. Bei der Gedenkveranstaltung mit dem Titel "Aus dem Feuer geholt" erinnert Oberbürgermeister Ashok Sridharan gemeinsam mit Astrid Mehmel von der Gedenkstätte und mit Studierenden der Uni Bonn an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933.

Ablauf der Gedenkveranstaltung am 10. Mai um 12 Uhr
Zum Hintergrund der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933
Zum Gedenken an die Bücherverbrennung in Bonn
Das Erinnerungsmal

Ablauf der Gedenkveranstaltung am 10. Mai um 12 Uhr

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Ashok Sridharan sprechen der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Bonn, Simon Merkt, und die Künstler des Lesemals - Dr. Horst Hoheisel und Andreas Knitz - Grußworte. Astrid Mehmel von der Gedenkstätte Bonn wird eine historischen Einführung zu den Bücherverbrennungen im Mai 1933 geben. Luise Margarete Cornely von der Jüdischen Hochschulgruppe und Daniel Dejcman, der Vorsitzende des Studierendenparlaments, führen anschließend in die Lesung ein.

Die Jüdische Hochschulgruppe Hillel Hub Bonn und Studierende des Seminars "Selbstzeugnisse des Holocaust" der Philosophischen Faktultät der Uni Bonn tragen Texte von verfolgten Autorinnen und Autoren vor. Das Seminar wird von der Privatdozentin Dr. Irmgard Rüsenberg geleitet.

Anschließend werden die Bücher, die sich in der in den Marktplatz eingelassenen Büchertruhe befinden, an das Publikum verschenkt. Die Truhe wird mit neuen Werken gefüllt und bis zum nächsten Jahr verschlossen. Die Veranstalter danken der R2 Bernstein-Verlagsbuchhandlung in Siegburg für die Bücherspenden.

Es handelt sich um eine Veranstaltung der Bundesstadt Bonn und der Gedenkstätte Bonn in Zusammenarbeit mit dem AStA, der Jüdischen Hochschulgruppe Hillel Hub und dem Studierendenparlament der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie mit Unterstützung des Literaturhauses Bonn.

Zum Hintergrund der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 sahen sich unter anderen jüdische, pazifistische, sozialdemokratische und kommunistische Schriftstellerinnen und Schriftsteller einer verstärkten Verfolgung ausgesetzt. Die erste große Aktion gegen diese begann im April 1933 in einer vom "Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft" organisierten reichsweiten vierwöchigen "Aktion wider den undeutschen Geist".

Zum Auftakt der Kampagne wurden am 12. April 1933 die "12 Thesen wider den undeutschen Geist" veröffentlicht. Die Deutsche Studentenschaft lieferte dazu begleitende Artikel für Zeitungen und Zeitschriften und organisierte Vorträge in der Öffentlichkeit und im Radio, um über die Ziele der Kampagne "aufzuklären" und die betroffenen Autorinnen und Autoren zu diffamieren. Am 26. April 1933 begann die Sammlung von "zersetzendem Schrifttum", und am 9. Mai wurden die "Feuersprüche" versandt als Grundlage für eine reichseinheitliche Gestaltung der Bücherverbrennungen.

Das "Hauptamt der Deutschen Studentenschaft" verteilte so genannte "Schwarze Listen" mit Autorennamen und Werken. Alle Studierenden wurden aufgefordert, ihre privaten Bibliotheken und die von Bekannten zu "säubern"; Universitäts- und Institutsbibliotheken, öffentliche Büchereien und Buchhandlungen sollten durchsucht werden. Auch die Bonner Studentenschaft beteiligte sich an der Kampagne.

Insgesamt sind für das Frühjahr 1933 deutschlandweit mehr als 50 Bücherverbrennungen dokumentiert. Allein am Abend des 10. Mai 1933 fanden Bücherverbrennungen an 22 Hochschulorten statt, darunter auch vor dem Bonner Rathaus. Welche Bücher in Bonn verbrannt wurden, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die Liste der verfemten Autorinnen und Autoren, deren Bücher verbrannt wurden, ist lang und umfasst etwa 450 Namen. Im Laufe der Zeit wurde die Liste der verbotenen Bücher noch um lokale Schriftsteller und wissenschaftliche Publizisten erweitert. Fast die gesamten Autoren deutscher Gegenwartsliteratur gingen ins Exil, andere wurden später in Konzentrationslager verschleppt oder mit Publikationsverboten belegt.

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Zum Gedenken an die Bücherverbrennung in Bonn

Am 8. Juli 2010 hat der Rat der Stadt Bonn den einstimmigen Beschluss gefasst, ein Erinnerungsmal zum Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Bonner Markt zu errichten.

Der damalige Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Professor Jürgen Fohrmann, seinerzeit Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, haben gemeinsam die Bürgerinnen und Bürger um finanzielle Unterstützung für das Erinnerungsmal gebeten. Insgesamt wurden mehr als 20 000 Euro gespendet.

Am 10. Mai 2013 wurde zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung der Öffentlichkeit ein Erinnerungsmal auf dem Bonner Marktplatz übergeben. Dieses Erinnerungsmal wurde ermöglicht durch die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und durch bürgerschaftliches Engagement von Kirchen, Vereinigungen sowie durch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Bonn und der Region.

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Das Erinnerungsmal

Im Rahmen eines Wettbewerbs waren zehn Künstlerinnen und Künstler eingeladen, einen Vorschlag für ein Erinnerungsmal zu erarbeiten. Ein Auswahlgremium hat die eingegangenen Entwürfe bewertet und sich einvernehmlich für den gemeinsamen Entwurf der Künstler Andreas Knitz und Dr. Horst Hoheisel ausgesprochen.

Das Erinnerungsmal der Künstler besteht aus über den Bonner Markt verstreuten "Lese-Zeichen". Diese im Pflaster eingelassenen Bronzebücher enthalten auf dem Rücken Titel und Namen von Autorinnen und Autoren der von den Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 verbrannten Bücher. Die zunächst zufällig auf dem Platz verteilten "Lese-Zeichen" verdichten sich an der Stelle vor der Treppe des Alten Rathauses, an der die Bücher verbrannt wurden.

Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz haben das Erinnerungsmal auf dem Markt gestaltet. © Stadt Bonn - Foto: Michael Sondermann
| vergrößerte Ansicht: Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz haben das Erinnerungsmal auf dem Markt gestaltet. © Stadt Bonn - Foto: Michael Sondermann
 
Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz haben das Erinnerungsmal auf dem Markt gestaltet.

Zusätzlich dazu ist ein wetterfester Behälter in Form einer Büchertruhe in den Platz eingelassen. In dieser Truhe wird eine Büchersammlung von Autorinnen und Autoren aufbewahrt, deren Werke hier verbrannt wurden. Die Inschrift der Truhe benennt das Ereignis und weitere Autorinnen und Autoren von verbrannten Büchern.

Zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wird die Büchertruhe jedes Jahr geöffnet und aus den Büchern der verfolgten Autorinnen und Autoren zitiert. Anschließend werden die Bücher verschenkt, die Büchertruhe wird mit anderen Werken befüllt und bis zum darauffolgenden Jahr verschlossen. So können von Jahr zu Jahr immer wieder andere Titel und Autorinnen und Autoren, deren Bücher hier verbrannt wurden, in Erinnerung gerufen und neu gelesen werden.

Das DENK-MAL wird somit zum LESE-MAL.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Künstler
URL: http://www.hoheisel-knitz.net/index.php?option=com_content&t ask=view&id=71&Itemid=143
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Letzte Aktualisierung: 21. April 2017




 


 

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