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BERICHT AUS BONN vom 12. April 2013 - Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch: Wir erfüllen den Bellevue-Vertrag


13.04. 2013

ib - Aus den groben Kostenschätzungen für die Fertigstellung des Erweiterungsbaus des World Conference Center Bonn und des Umfeldes ist jetzt eine konkrete Kostenplanung geworden. Darüber hat die Stadt Bonn am Freitag (12. April) den Unterausschuss Konferenzzentrum informiert, der sich in erster Lesung mit der Vorlage befasste.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. „Es war kein leichtes Erbe und ein besonders schwieriger Insolvenzfall, aber jetzt kann ich sagen, wie wir unseren Teil des 2002 geschlossenen Bellevue-Vertrages erfüllen können. Deutschland braucht Bonn als Stadt der Vereinten Nationen, und die Vereinten Nationen brauchen ein hochmodernes Konferenzzentrum. Es ist genug Schatten auf das World CC Bonn gefallen, wir stellen daher an die Fertigstellung höchste Ansprüche – Sorgfalt geht vor Schnelligkeit -,  damit ein modernes, attraktives und sorgfältig erstelltes Gebäude entsteht, das sich ab 2015 am Markt behaupten kann und von dem wir alle viele Jahrzehnte profitieren werden. Wir gehen nach einem PwC-Gutachten davon aus, dass der gesamte Bereich ‚Internationales’ mit dem Konferenzzentrum und der Arbeit aller hier tätigen Organisationen dann eine Umwegrendite von jährlich 114 Mio Euro ergibt, was erheblich zur Wirtschaftsstärke und Zukunft unserer Stadt beitragen wird“, so Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch anlässlich der Vorstellung der Pläne zur Fertigstellung des Konferenzzentrums.

 

Bei den Fertigstellungskosten für das Konferenzzentrum können die reinen Baukosten (30,48 Mio Euro) und die Ausstattung (4,0 Mio Euro) als „gesetzt“ angesehen werden. Hinzu kommen nach Vorschlag der Verwaltung folgende Positionen, die im Ergebnis zu einer Erhöhung auf rund 59 Mio Euro führen:

 

1. Professionelle Steuerung des Baus durch einen Generalunternehmer (5,75 Mio Euro)

Anders als bei Baubeginn des World CC Bonn 2007 praktiziert, der von einem kleinen städtischen Projektteam begleitet wurde, hat die Verwaltung beim Weiterbau von Beginn an externe Experten verpflichtet. Die Erhebung des Bautenstandes und die Projektsteuerung liegen in den Händen von renommierten Architektenbüros (Heinle-Wischer, Ernst & Young); für den Weiterbau erfolgt eine Ausschreibung zur Gewinnung eines führenden Generalunternehmers. Dadurch kann die aufwändige Einzelvergabe und die Einstellung von zusätzlichem Personal vermieden werden; erreicht wird gegenüber der Einzelvergabe dadurch auch eine Verkürzung der Fertigstellungszeit um rund sechs Monate.

 

2. Nachträgliche Teilung des großen Saales (2,49 Mio Euro reine Baukosten)

In Abstimmung mit dem Bund und den Vereinten Nationen soll nachträglich eine Teilungsmöglichkeit für den großen Saal geschaffen werden, um damit eine größere Flexibilität bei der Nutzung des Konferenzzentrums zu erreichen. Die Vereinten Nationen wollen zukünftig mehr kleinere Konferenzen mit einigen tausend Teilnehmenden in Bonn durchführen als ursprünglich beabsichtigt, da sich die Durchführung von Mammutkonferenzen mit 20.000 Teilnehmenden nicht bewährt habe. Dies führt zu einer größeren Nachfrage bei Übernachtungen und zu einer höheren Umsatzrendite bei der gesamtstädtischen Wirtschaft. Zur Umsetzung dieser neuen Maßnahme sind umfangreiche Arbeiten erforderlich, die zu einem Zeitverlust von einigen Monaten führen, der aber vom Weltklimasekretariat der Vereinten Nationen mitgetragen wird.

 

3. Verbesserung der Belastungsfähigkeit des Bodens im Foyer (0,3 Mio Euro reine Baukosten)

Die Belastungsfähigkeit des Bodens ist rein auf die Nutzung durch Kongressteilnehmer ausgerichtet; bei einer stärkeren Belastung, wie sich bei einer Nutzung als Ausstellungsfläche ergeben kann, könnte der Belag Risse aufweisen. Das Konferenzzentrum kann mit einer größeren Nutzungsbreite auch für das Foyer aber besser vermarktet werden, zum Beispiel für Präsentationen eines neuen Automobils.

 

4. Außenanlagen (2,22 Mio Euro reine Baukosten)

Es ist wichtig, dass auch die Außenanlagen dem durch das Parlamentsgebäude und den UN Campus vorgegebenen höchsten gestalterischen Standard und Sicherheitsanforderungen entsprechen.

 

5. Umplanung der Küche (0,46 Mio Euro reine Baukosten)

Die vorhandene Küche wird als unzureichend angesehen (Schallschutz, Zuführung der Speisen über Freiflächen und mit zu geringer Aufzugkapazität).

 

6. Baunebenkosten für Planung u.a. (13,3 Mio Euro)

Wie üblich sind Kosten für die planerische Vorbereitung und Umsetzung der Vorhaben anzusetzen.

Die Verwaltung schlägt vor, zusätzlich zu den so ermittelten rund 59 Mio Euro einen Risikozuschlag in Höhe von 7,52 Mio Euro vorzusehen. Niemand möchte sich eventuell später dem Vorwurf ausgesetzt sehen, unvorhergesehene Nachträge anmelden zu müssen.

Demgegenüber stehen kostenmindernde Vorschläge der Verwaltung, wie etwa der Vorschlag, auf die Investition zur Verbesserung der akustischen Qualität (Konzerttauglichkeit, 2,2 Mio Euro) zu verzichten. Zurückzustellen ist nach Meinung der Verwaltung auch die Verkleidung der Fassade des Parkhauses (1,5 Mio Euro), da letztere auch zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden kann. Ob eine Reihe von weiteren Einsparpotenzialen bei baulichen Maßnahmen im Gesamtvolumen von rund 1 Mio Euro genutzt werden kann bzw. sollte, ist den weiteren Beratungen und Untersuchungen vorbehalten (Barrierefreiheit, Trinkwasserleitungen, Wandverkleidungen, Ausstattung der Abgeordnetenhäuser).

Zusätzlich kostet die neben der Fertigstellung des Konferenzzentrums erforderliche Kernsanierung der Abgeordnetenhäuser rund 8,74 Mio Euro. Zum Erhalt dieser denkmalgeschützten Bauwerke hatte sich die Stadt bereits vor vielen Jahren verpflichtet und im Gegenzug den notwendigen Abriss der ebenfalls denkmalgeschützten Villa Dahm (ehemaliger Sitz der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft) erreicht, deren Grundstück für die Errichtung des Erweiterungsbaus erforderlich war.

 

60 Mio Euro stehen im Haushalt bereit

 

Von den Gesamtkosten in Höhe von 76,8 Mio Euro übernehmen € 17 Mio. (14 + 3) auf Intervention der Verwaltung Bund und Land NRW; weitere 10,7 Mio Euro fließen der Stadt Bonn, wie vertraglich vereinbart, nach der Gesamtfertigstellung durch das Land NRW zu. Die Gesamtsumme wird somit nicht ausschließlich aus kommunalen Mittel finanziert werden müssen, da über die zuvor genannten Zuschüsse rund 36 Prozent der Fertigstellungskosten durch Bund und Land getragen werden.

„Wir haben im Haushalt 2013/14 insgesamt 60 Mio Euro für die Fertigstellung verfügbar, bestehend aus 51,5 Mio Euro im aktuellen Haushalt und 8,5 Mio Euro Haushaltsresten aus 2012. Insbesondere durch die von den Vereinten Nationen gewünschte Saalteilung verlängert sich die Bauzeit dergestalt, dass die Fertigstellung erst unmittelbar zu Beginn des Jahres 2015 erfolgen kann. Ob die in den Jahren 2013 und 2014 anfallenden Kosten der Fertigstellung über den Haushaltsansatz einschließlich der Haushaltsreste abgebildet werden können, bleibt abzuwarten. Gegebenenfalls sind Mittel überplanmäßig bereitzustellen. Um die in 2015 anfallenden Kosten sowie die Schlussabrechnung der Baumaßnahme, die allen Erfahrungen nach dann erst im Laufe des Jahres 2015 erfolgen wird, begleichen zu können, wird die Verwaltung die benötigten Finanzmittel zum Haushalt 2015 anmelden. Die erforderlichen Haushaltsmittel zur Fertigstellung wären, die Zustimmung des Rates vorausgesetzt, somit vorhanden“, so Stadtkämmerer Ludger Sander.

Die Verwaltung war bei ihren Haushaltsplanungen in der schwierigen Lage, einen Betrag für die Fertigstellung eines Gebäudes bereitstellen zu müssen, dessen genauen Zustand sie nicht kennen konnte. Grundlage der städtischen Haushaltplanung waren die von PwC in 2010 für den Heimfall ermittelten Kosteneinschätzungen, aus denen sich in einer „worst-case-Betrachtung“ 51,5 Mio Euro netto als mögliche Fertigstellungskosten ergaben. Infolge der Insolvenz basierte die Kosteneinschätzung auf lückenhaften Kenntnissen der Planungsunterlagen und des Bautenstandes. sodass eine echte Kostenschätzung auf der Grundlage einer Ingenieur- und Architekturplanung erst jetzt vorliegen kann.

Bereits in der nächsten Woche wird der Unterausschuss Konferenzzentrum erneut mit der Materie befassen und so eine endgültige Entscheidung des Rates vorbereiten.

 




 


 

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