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14. November 2018



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Zeitfenster im November


 

Das Zeitfenster gewährt einen Blick in die Vergangenheit der Stadt Bonn

Auf dieser Seite stellen Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek ein Stück aus ihren Beständen mit einer kurzen Erklärung vor.

Jeden Monat werden Fotos, Grafiken, Urkunden, Akten, Briefe und historische Bücher aus der langen Geschichte der Stadt präsentiert, die auf Weiteres neugierig machen und zu Forschungen im Stadtarchiv ermuntern möchten.

Zeitfenster November: Hausakte Tempelstraße 2 - 6 

Am "hellichten Tag" des 10. November 1938 brannten in Mehlem, Bad Godesberg, Poppelsdorf, Beuel und Bonn die Synagogen. Bereits in der Nacht zuvor waren in ganz Deutschland vermeintlich "spontane" Aufwallungen des Volkszorns seitens NSDAP und SA regelrecht angeordnet und organisiert worden. Am 7. November 1938 hatte der in Paris lebende 17-jährige Herschel Grynszpan den Mitarbeiter der Deutschen Botschaft, Ernst Eduard vom Rath, erschossen. Dieses als "Attentat" propagandistisch genutzte Geschehen wurde für die nun einsetzende anti-jüdische Hetzkampagne, für das so genannte "Novemberpogrom", regelrecht instrumentalisiert.

Die Zerstörung der Synagogen war ein weiterer Schritt auf einem 1933 begonnenen Weg, der in Auschwitz und in anderen Vernichtungslagern enden sollte.

Die größte und architektonisch bedeutsamste jener Synagogen war die Bonner. Sie war am 31. Januar 1879 am Rheinufer an der damaligen Judengasse 2-6 (1886 in Tempelstraße umbenannt) feierlich eingeweiht worden. Der Bonner Oberbürgermeister hatte in einer symbolischen Geste das Portal aufgeschlossen. Der imposante Bau mit seiner Schauseite zum Rheinufer hin war im neoromanischen Stil und unter Verwendung orientalischer ("maurischer") Schmuckelemente errichtet worden. Der Entwurf stammt vom damals in Bonn tätigen Architekten Eduard Hermann Maertens (1823-1898).

Das Grundstück, auf dem die Synagoge und die ebenfalls von der jüdischen Gemeinde genutzten Nachbargebäude gestanden hatten, lag jahrzehntelang brach bzw. wurde als Parkplatz genutzt. Die alte Tempelstraße war verschwunden. Auf dem Grundstück der alten Synagoge befindet sich heute ein Hotelkomplex. Am 11. Januar 1963 wurde auf einen Ratsbeschluss hin am westlichen Widerlager der Rheinbrücke unmittelbar neben der zerstörten Synagoge eine bronzene Gedenktafel zur Erinnerung an dieses Gotteshaus enthüllt.


Bauzeichnungen aus der Hausakte der Synagoge an der früheren Tempelstraße © Stadtarchiv Bonn
| vergrößerte Ansicht: Bauzeichnungen aus der Hausakte der Synagoge an der früheren Tempelstraße © Stadtarchiv Bonn
 
Bauzeichnungen aus der Hausakte der Synagoge Tempelstraße 2-6,
Pr 24/56

Zu jedem Gebäude gehört seit etwa den 1880er-Jahren eine sogenannte "Hausakte", die ein jedes Bauwerk von der Bauantragstellung bis zu ihrem Abriss begleitet und von der zuständigen Bauverwaltung geführt wird. Diese Hausakten enthalten Entwurfszeichnungen, Pläne, Gesuche um Um- und Anbauten und anderes mehr. Diese Akten gelten als laufendes Verwaltungsgeschäft, solange die Gebäude existieren. Erst nach deren Zerstörung oder Abriss gelangen die Akten ins Archiv. Und während die Hausakten der 1938 ebenfalls niedergelegten Nebengebäude der Synagoge in der Tempelstraße 10 und 12 seit etwa den 1950er-Jahren ordnungsgemäß Archivgut geworden waren (Signatur: Pr 24/1685), galt die Hausakte der Synagoge selbst als verschollen.

Durch einen glücklichen Umstand wurde diese materiell wie ideell so wertvolle Akte im November 2017 wiedergefunden und dem Stadtarchiv übergeben. Das Dokument war seinerzeit im Zusammenhang mit der Herstellung der Gedenktafel von der Bauverwaltung zur Verfügung gestellt worden und in Vergessenheit geraten.

Der Bogen der zwischen den Aktendeckeln abgelegten Schriftstücke spannt sich von der Beantragung des Neubaus vom 12. Dezember 1876, über zahlreiche Entwurfszeichnungen, Grund- und Aufrisse sowie Bauskizzen, Anträge zu baulichen Veränderungen hin zu der lapidaren Notiz von 1955, dass die in Rede stehenden Grundstücke an der früheren Tempelstraße im Rahmen eines "Umlegungsverfahrens" in das Eigentum der Stadt Bonn übergegangen seien. - Der neu entstandenen jüdischen Gemeinde in Bonn war übrigens bereits 1950 ein Grundstück an der Wörthstraße (heute Tempelstraße) übereignet worden, auf dem 1959 die heutige Bonner Synagoge entstand.

Die Geschehnisse vom November 1938 haben übrigens keinen unmittelbaren Niederschlag in der Hausakte der Synagoge gefunden. Lediglich der Aktendeckel weist den zwar korrekten aber dennoch zynisch klingenden Vermerk "niedergelegt Ende 1938" auf.

Zeitfenster November 2018: Hausakte Tempelstraße 2 - 6  [PDF, 400 KB]
Die Synagoge in der früheren Bonner Tempelstraße

Datei: http://www.bonn.de/familie_gesellschaft_bildung_soziales/sta dtarchiv/zeitfenster/index.html?lang=de&download=M3wBUQCu%2F8ulmKDu36WenojQ1NTTjaXZnqWfVpzLhmfhnapmm c7Zi6rZnqCkkIR7gH99bKbXrZ2lhtTN34al3p6YrY7P1oah162apo3X1cjYh 2%2BhoJRn6w%3D%3D

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Sie finden hier eine Übersicht der bereits erschienenen "Zeitfenster" zum Download.


Letzte Aktualisierung: 2. November 2018




 


 

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