
Ein neuer Glanzpunkt ziert jetzt weithin sichtbar das Bonner Münster. Der 85 Meter hohe Vierungsturm der Basilika hat im Februar 2006 eine im Kirchbau einzigartige Bekrönung erhalten. Ein Schwerlastkran hievte den 500 Kilogramm schweren und fünf Meter hohen Aufsatz, bestehend aus Kreuz, Märtyrerkrone und Kugel mit Pyxis, auf die Kirchturmspitze. Vorher segnete Stadtdechant und Münsterpfarrer Wilfried Schumacher das neue "Wahrzeichen" aus der Werktstatt des Meisters Sebastian Hoppen. Zur Mitfeier auf dem Bonner Münsterplatz kamen zahlreiche Bonnerinnen und Bonner.

Wo andere - meist katholische - Kirchtürme mit Kreuz und Wetterhahn ihren Abschluss finden, thronte in Bonn lange Zeit ein schmuckloser, vierzackiger Blitzableiter - von manchen Beobachtern auch als moderne Kirchturmkunst missverstanden. Die Bonner Münster-Stiftung hat sich dafür eingesetzt, diese Situation zu ändern und dem Hauptturm der päpstlichen Basilika wieder zu einem würdigen Abschluss zu verhelfen. Die Gelegenheit war einmalig: durch das Gerüst für die Dachdecker-Arbeiten gab es jetzt einen Zugang zur Turmspitze.
Kreuz und Krone kosten mit Montage und Nebenkosten rund 50.000 Euro und sind aus Spendenmitteln finanziert worden. Wer mindestens 100 Euro gestiftet hat, konnte sich auf einer Pergamentrolle verewigen, die in der Kugel unter dem Kreuz an der Turmspitze auf "ewige Zeiten" deponiert ist.
Sowie auf dem Kölner Dom der Stern der Drei Könige zu sehen ist, deren Gebeine im Dom verehrt werden, so ziert den Bonner Münsterturm jetzt eine im Durchmesser etwa 1,50 Meter große Krone aus vergoldeter Kupfer- und Bronzelegierung. Sie ist deutliches Zeichen, dass die über 850 Jahre alte Kirche im Herzen Bonns über den Gräbern der Märtyrer Cassius und Florentius errichtet worden ist. Beide waren Soldaten der thebäischen Legion Roms, die in Bonn wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben hingerichtet worden sind. An die vermutete Hinrichtungsstätte am Kreuzberghang erinnert heute noch die Marterkapelle. Die Straße wird "Mordkapellenpfad" genannt. Die nordafrikanischen Märtyrer wurden bereits in sehr früher Zeit - etwa 691 nach Christus - in Bonn verehrt und 1643 zu Bonner Stadtpatronen erhoben. Über ihren Gräbern errichtete das Stift St. Cassius und Florentius im 12. Jahrhundert die Basilika. Die Krone ist auf Märtyrerdarstellungen Sieges- und Ehrenzeichen. Sie wurde in der Geschichte aus dem Siegeskranz entwickelt.
Der Hauptturm veränderte sein Aussehen durch die Jahrhunderte. Um 1200 wurde aus einem quadratischen Vierungsturm des 11. Jahrhunderts ein achteckiger, wie auf dem Stadtsiegel aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erkennbar. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden Mittelschiff und Turm erhöht. 1590 brannte der Turmhelm nach einem Blitzschlag ab. Die neue Helmform ist auf einem Altarbild im Münster aus dem Jahr 1603 ersichtlich. 1689 wurde die Stadt durch Reistruppen des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg belagert, der Turm wurde zerschossen. Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete man den jetzigen, wesentlich steileren und höheren Helm. Die neue Gestalt ist auf einem Altarbild dokumentiert. Bereits in früheren Jahrhunderten trug der Turm ein Kreuz. Gemälde und Stiche zeigen den Turm mal mit einem einfachen oder mit einem Doppelkreuz - vielfach auch mit einem Hahn auf dessen Spitze. Doch der Hahn hat längst ausgekräht.
Letzte Aktualisierung: 19. März 2009